07.10.2010 | Geldsegen für Garnisonkirche – 93-Jährige aus Bad Pyrmont setzt Fördergesellschaft als Alleinerbe ein.

Innenstadt – 700 000 Euro und der Erlös aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung – der Nachlass einer im Mai verstorbenen 93-jährigen Frau aus Bad Pyrmont beschert dem Projekt Wiederaufbau der Garnisonkirche die erste Großspende. Johann-Peter Bauer, Vorsitzender der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, kannte die betagte Johanna Hofmann aus dem niedersächsischen Bad Pyrmont. Die

Innenstadt – 700 000 Euro und der Erlös aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung – der Nachlass einer im Mai verstorbenen 93-jährigen Frau aus Bad Pyrmont beschert dem Projekt Wiederaufbau der Garnisonkirche die erste Großspende. Johann-Peter Bauer, Vorsitzender der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, kannte die betagte Johanna Hofmann aus dem niedersächsischen Bad Pyrmont. Die erste persönliche Begegnung, so Bauer, hatte es zur Jahreswende 2006/2007 gegeben, danach sei sie „immer wieder einmal in der Ausstellung gewesen, um – wie sie zu sagen pflegte – nach dem Rechten zu sehen“, erinnert er sich. In den Gesprächen habe sie stets betont, dass sie sich für den Wiederaufbau der Garnisonkirche einsetzen wolle.

Und sie wollte es nicht bei Lippenbekenntnissen belassen. Was Bauer nicht wusste: Ursprünglich war der Nachlass von Wilhelm und Johanna Hofmann für die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel (TPG) gedacht gewesen. Die TPG unter Max Klaar hatte sich schon in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für den Wiederaufbau der Barockkirche stark gemacht und Spenden gesammelt. Doch im Streit mit der evangelischen Kirche Potsdam um das Nutzungskonzept hatte sich Klaar von dem Projekt abgewandt. Wie Bauer sagt, habe Frau Hofmann ihm gegenüber Kritik an der Entscheidung von Klaar geübt – was offenbar auch zum Sinneswandel bei der Verfügung des Nachlasses führte. Nach dem Tod ihres Mann änderte sie das Testament und setzte die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche als Alleinerbe ein. „Wir waren völlig überrascht, als uns der Nachlassverwalter über die Zuwendung informierte“, erzählt Bauer. Noch größer war die Überraschung über die Höhe Summe: rund 700 000 Euro Bargeld und der Wert der Eigentumswohnung, die vom Nachlassverwalter verkauft wird.

Bauer, der im Juni an der von Frau Hofmann verfügten preußisch-bescheidenen Beerdigung teilnahm, ist „froh und dankbar für die große Zuwendung“. Nicht nur, dass die Summe der insgesamt für den Wiederaufbau des Garnisonkirchturms zur Verfügung stehenden Summe mittlerweile auf rund drei Millionen Euro angewachsen ist – denn es stehen auch zwei Millionen Euro Fördermittel des Landes Brandenburg aus dem ehemaligen DDR-Parteivermögen sowie weitere Spenden zur Verfügung. „Die Testamentsänderung zugunsten unserer Fördergesellschaft kann auch eine Signalwirkung auf andere potenzielle Spender haben“, sagt Bauer. Er hofft, dass sich bei immer mehr Spendenwilligen die Erkenntnis durchsetzt, „mit welcher Ernsthaftigkeit wir unser Ziel, Wiederaufbau des Garnisonkirchturms bis 2017, verfolgen“.

Immerhin, so Bauer, seien bereits erste, wichtige Schritte erfolgt: Gründung der Stiftung Garnisonkirche mit dem Kuratorium, Bereitstellung des Grundstücks in der Breiten Straße durch die Stadt Potsdam, Verabschiedung des B-Plans, Vergabe von Planungsleistungen im Wert von 1,4 Millionen Euro. Bis Ende des Jahres soll der frühere Fahrradladen, in dem bislang die Ausstellung über die Garnisonkirche untergebracht war und auch die Veranstaltungen des Fördervereins stattfanden, abgerissen sein. Der Plattenbau steht auf dem Grundriss der 1732 eingeweihten, einst stadtbildprägenden Barockkirche, die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1968 auf Anordnung der SED-Machthaber gesprengt wurde. Außerdem soll am Standort ein Andachtsraum mit einer temporären Ausstellung errichtet werden. Baubeginn für die Wiedererrichtung des Turms der Garnisonkirche soll 2013 sein.

Für Bauer ist der Wiederaufbau der Garnisonkirche mehr als nur die Rückgewinnung eines einst stadtbildprägenden Kirchenbaus: „Uns geht es um das Gestalten von Zukunft auf der Basis von Vergangenheit. Wenn ein Ort so viel über historisch Gutes und Böses erzählen kann, wird er unseren Kindern und Enkeln Rüstzeug an die Hand geben, um unsere Welt ein bisschen besser machen zu können.” (PNN vom 07.10.2010, von Michael Erbach)

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