08.03.2013 | Gedenken, aber wie? Garnisonkirchen-Fördergesellschaft diskutiert über Erinnerungskultur für das umstrittene Gotteshaus

Innenstadt – Die Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche debattiert über das Gedenkkonzept für das Gebäude. Diese Frage sei noch nicht hundertprozentig geklärt, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Burkhart

Innenstadt – Die Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche debattiert über das Gedenkkonzept für das Gebäude. Diese Frage sei noch nicht hundertprozentig geklärt, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Burkhart Franck, am Mittwoch bei einem offenen Abend zum Wiederaufbauprojekt. Gegenüber den PNN äußerte Franck, dass ursprünglich beabsichtigt war, den Verschwörern des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 sowie den Opfern der DDR-Diktatur einen Ort des Gedenkens einzuräumen. Die Fördergesellschaft wolle sich in die Gespräche, die dieser Tage über das Potsdamer Gedenkkonzept geführt werden, einbringen. Dazu soll es am 26. März im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte ein Werkstattgespräch geben.

Die Fördergesellschaft will mit eigenen Veranstaltungen an den 80. Jahrestag des „Tags von Potsdam“ erinnern. Am 21. März 1933 hatten Reichspräsident Paul von Hindenburg und Adolf Hitler vor dem Gebäude mit einem Händedruck die Naziherrschaft symbolisch besiegelt. So wollen am 19. März um 19 Uhr der Historiker Thomas Wernicke und der im Ruhestand befindliche Pfarrer Wilhelm Stintzing über den „Tag von Potsdam“ diskutieren. Stintzing war an diesem Tag Zeuge des Geschehens. Am 20. März ist der Standort der Kirche wie berichtet Endpunkt des unter anderem von der Stadt, dem Kirchenkreis und verschiedenen Bündnissen initiierten Gedenkspaziergangs, der um 19 Uhr an der katholischen Kirche St. Peter und Paul beginnt. Die Initiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“, Gegnerin des Wiederaufbauprojekts, hat eigene Aktionen angekündigt.

Noch nicht endgültig geklärt bei der Rekonstruktion der Garnisonkirche sind Fragen zur erlaubten Abweichung von Aufmaß und Architektur des Originals von Philipp Gerlach (1679-1748). Bei der Vorstellung der Entwurfsplanung des Berliner Architekten Thomas Albrecht am 15. Januar 2012 hatte der damalige Vorsitzende der Fördergesellschaft, Johann-Peter Bauer erklärt, dass die Veränderung der historischen Gestalt für den Einbau einer Turmkapelle nicht von allen Mitgliedern getragen werde.

An der Entwurfsplanung war neben Albrecht von der Gesellschaft Hilmer und Sattler eine Arbeitsgemeinschaft von elf Firmen beteiligt. Wichtige Planungsgrundlagen schuf das Potsdamer Architekturbüro Bernd und Ursula Redlich. Redlichs Mitarbeiter Andreas Kitschke stellte am Mittwoch detailliert dar, welch akribische Arbeit notwendig war, um das historische Aufmaß sowie die originalen Farben und Materialien zu erforschen. Kitschke berichtete, dass er „über 850 Aktenkonvolute“ aus zahlreichen Archiven ausgewertet habe, um schließlich zu einer virtuellen Rekonstruktion von Turm und Kirchenschiff zu gelangen. Ursula Redlich: „Wir müssen uns dem Original so dicht wie möglich nähern, nur dann macht die Rekonstruktion einen Sinn.“ Bei den weiteren Planungen sei ihr Büro jedoch nicht beteiligt. Frank sagte dazu, dass sich das Büro Redlich an der Ausschreibung 2011 nicht beteiligt habe.

Franck zeigte sich zuversichtlich, dass wie geplant 2014 mit dem Wiederaufbau des 88 Meter hohen Kirchturms begonnen werden kann. Dafür müssen bis zum Jahresende zwölf Millionen Euro auf dem Spendenkonto sein. (PNN vom 08.03.2013 von Günter Schenke)

Zurück


zum Seitenanfang