11.01.2013 | Gedankenspielereien um den Langen Stall – Architekturprofessoren der Fachhochschule stellen ihre Wettbewerbsbeiträge vor

Potsdam – Hasso Plattners Kunsthalle in der Innenstadt ist mausetot? Nicht ganz. Wenigstens in den Visionen von Barbara Kuster, Kabarettistin und Mitteschön-Aktivistin, ist die zentral

Potsdam – Hasso Plattners Kunsthalle in der Innenstadt ist mausetot? Nicht ganz. Wenigstens in den Visionen von Barbara Kuster, Kabarettistin und Mitteschön-Aktivistin, ist die zentral gelegene Kunsthalle nach wie vor sehr lebendig. „Ein kleines Museumsquartier“ schwebt ihr vor: Auf der einen Seite das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte am Neuen Markt; auf der anderen Seite die Kunsthalle im noch zu errichtenden Langen Stall an der Plantage. Die unbeirrbare Kunsthallen-Streiterin formulierte ihre Wiederauferstehungspläne im Rahmen einer öffentlichen Architektur-Vorlesung in der FH Potsdam am Mittwochabend, bei der es um Entwürfe für den Langen Stall und das Areal Alte Feuerwache an der Werner-Seelenbinder-Straße ging.

Pech nur für Kuster, dass ihrer Vision die Realität entgegensteht, wie ihr die anwesenden Architekten erklärten: An dieser Stelle sei nun mal „Wohnnutzung“ vorgesehen – die „einzige Nahtstelle“ für eine Nutzung, auf den sich die beiden aktuellen Eigentümer – Asset GmbH sowie Landeshauptstadt – geeinigt hätten. Ohnehin ist die Zukunft des Langen Stalls aus städtischer Sicht schon seit Herbst klar. Architekt Stephan Höhne hat den Wettbewerb für das Areal gewonnen. Als es aber am Mittwochabend im Hauptgebäude der FH Potsdam um das Thema „Entwürfe für den Langen Stall, Plantage Potsdam“ ging, war nur einer nicht zugegen: Wettbewerbssieger Stephan Höhne. Stattdessen durften die leer Ausgegangenen – Bernd Albers, Ludger Brands, Dieter Eckert, Jan Kleihues, Markus Löffler – ihre Entwurfsprojekte präsentieren. Mobbing für den Sieger? „Nein“, widersprach FH-Professor Klaus Theo Brenner diesem ersten Eindruck, „es ist so, dass nur jene Leute, die an der Hochschule lehren, ihre Projekte vorstellen.“

Und so konnte man sich ganz dem „Was wäre wenn“-Gefühl hingeben, als die Architekten ihre Visionen für das außergewöhnlich lang gestreckte Areal vorstellten: Was, wenn die „Persius-Arkaden“ von Ludger Brands zum Zuge gekommen wären. Oder die „Terraces“ und „Mews“ (Remisen) und die anderen internationalen Architektur-Zitate von Dieter Eckert? Jan Kleihues wiederum hat augenscheinlich ein Faible für die Alte Feuerwache als „Zeitzeuge der 50er Jahre“, die er mit Maisonettewohnen und Geschäften umnutzen will. Auf eine Neu-Interpretation des Langen Stalls setzt Markus Löffler: „Es geht nicht darum, die äußere Form zu übernehmen, sondern den Gedanken dahinter.“

Ein Statement, das für Widerspruch sorgte: „Die Form hat hier eine eigene Qualität, die es wiederherzustellen gilt“, verwies Bernd Albers auf das historische „Dreigestirn“, bestehend aus dem Langen Stall, dem noch erhaltenen Palladiogiebel neben der Feuerwache und der Garnisonkirche. Letztere ist für den Professor eine Art Phantomwunde im Körper der Stadt: Zwar nicht mehr real existierend, aber trotzdem noch irgendwie im Unterbewussten präsent. Als einziger griff Albers in seinem Entwurf die historische Giebelform des Langen Stalls auf. Ein interessanter Ansatz: Der Baukörper selbst ist an die Glashausarchitektur der Schlösser und Gärten angelehnt. Eine Lamellen-Struktur dient als Sichtschutz über den Fassaden.

Am Schluss wurde den Architekten die Gewissensfrage gestellt: Ob sich die Herren für den Langen Stall nicht insgeheim „städtebaulich was Anderes wünschen“ würden als die Wohnbebauung, fragte „Potsdam Life“-Herausgeberin Nathalie Gommert. Doch auch diesmal fruchtete die Frage, gestellt wohl mit Blickrichtung Kunsthalle/Museum, nur bedingt. „Wohnen ist eine hochgradig komplexe Nutzung“, bekräftigte Bernd Albers. Auch der Moderator der Veranstaltung, Klaus Theo Brenner, fand an den Ausschreibungsvorgaben des Wettbewerbs nichts zu mäkeln: „Ich bin der Meinung, dass dort Menschen wohnen sollen. Das Blöde an Potsdam ist, dass die Menschen meist außerhalb wohnen.“ Für das „gesichtslose Wohnen etwa am Bornstedter Feld“ hat Brenner absolut kein Verständnis. Die Häuser dort bezeichnet er gern als „Kühe auf der Weide“. (MAZ vom 11.01.2013, von Von Ildiko Röd)

Zurück


zum Seitenanfang