09.03.2012 | Garnisonkirchen-Engagierte sind oft adelig, Akademiker, Johanniter / Vortragsabend zu Skulpturenschmuck

POTSDAM / INNENSTADT – Dass bürgerschaftliches Engagement ideell adelt, ist hinlänglich bekannt. Aber nur wenige Fördervereine verzeichnen wohl so viel echte Adelige in ihren Reihen wie die Fördergesellschaft

POTSDAM / INNENSTADT – Dass bürgerschaftliches Engagement ideell adelt, ist hinlänglich bekannt. Aber nur wenige Fördervereine verzeichnen wohl so viel echte Adelige in ihren Reihen wie die Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche (FWG). Deren Mitgliederliste liest sich wie ein Querschnitt des genealogischen Adelshandbuchs, des sogenannten „Gotha“ (siehe Kasten). „13 Prozent unserer Mitglieder haben ein Adels-prädikat“, sagte FWG-Vorstandsmitglied Burkhart Franck am Mittwochabend, als er einen offenen Vortragsabend des Vereins, bei dem Kunsthistoriker Hans-Joachim Kuke referierte, zu einer Präsentation über dessen Zusammensetzung nutzte. Zum hohen Adels-Prozentsatz gesellt sich ein noch höherer Akademikeranteil (20 Prozent). „Außerdem haben wir auch einen überproportional hohen Anteil an Johannitern und jenen Menschen, die einen persönlichen Bezug zu Potsdam haben“, sagte Franck. Mitglieder insgesamt: 850. Davon stammen 45 Prozent aus dem Raum Berlin-Potsdam. Weitere 40 Prozent leben in Westdeutschland: „Darunter ein gewisser Teil Ex-Potsdamer“, so Franck. Vier bis fünf Prozent der FWG-Mitglieder leben im Ausland. Meist sind es Deutsche. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 62 Jahren. Auch die erforderlichen Finanzen für den Wiederaufbau thematisierte Franck: Zehn Millionen Euro seien notwendig für „einen in sich sinnvollen Bauabschnitt“, also ein erstes Stockwerk des Turms. Die Gesamtkosten des Baus bezifferte er mit hundert Millionen Euro statt der bislang geschätzten 80 Millionen. In der neuen Zahl sind Nebenkosten und Preissteigerung mit eingerechnet.

Wie viel die Trophäen an der Garnisonkirche einst gekostet haben, kann heute vermutlich nicht mehr gesagt werden. Vor Burkhart Francks Vereinsbericht hatte Hans-Joachim Kuke interessante Aufklärungsarbeit über die Bedeutung des Skulpturenschmucks geleistet. „Es gibt heute einen Verlust an Wissen darüber, wie Dinge ursprünglich gemeint waren“, so Kuke. Bei der Darstellung von Trophäen – Waffen, die man überwundenen Feinden abgenommen hatte – handelte es sich keineswegs um „Beutekunst, sondern um die Aufforderung zur Mäßigung“. In der Antike weihte man die Trophäen dem allerhöchsten Zeus. Kuke: „Wer sie schändete, verging sich an dem obersten Gott.“ Die Regelung von Konflikten beim Umgang mit den Beute-Waffen sei die Keimzelle dessen gewesen, was man heute Völkerrecht nennt. Auch die riesigen Flammenvasen gehen auf die Antike zurück und symbolisieren laut Kuke „den nie verlöschenden Glauben“.

Mit den Jahren veränderte sich die Wahrnehmung des Kirchenschmucks radikal. Dass Statuen von Kriegsgott Mars und Kriegsgöttin Bellona einst nah an der Garnisonkirchen-Kanzel postiert waren, scheint schon die Zeitgenossen Friedrich Wilhelms III. zu Anfang des 19. Jahrhunderts irritiert zu haben. Der König ließ Mars und Bellona kurzerhand in weltlichere Gefilde übersiedeln – ins Treppenhaus des Stadtschlosses. (Von Ildiko Röd)

Bismarck und Richthofen:

Die Mitgliederliste der Fördergesellschaft liest sich wie ein Querschnitt der bekannten deutschen Adelsnamen.

Zu den prominenten Namen zählen: Georg Friedrich Prinz von Preußen, Franz Friedrich Prinz von Preußen, Eberhard von Puttkamer, Hermann Freiherr von Richthofen, Freya von Stülpnagel, Ina Freifrau von Palombini, Corinna von Blücher, Eberhard Graf von Bothmer, Ulrich von Bismarck, Uta Freifrau von Aretin, Georg Freiherr Ebner von Eschenbach, Rudolph Freiherr von Ketteler, Andreas Graf von Hardenberg.

Ehrenmitglied ist FWG-Gründer Hans Peter Rheinheimer. (MAZ vom 9.03.2012, von Ildiko Röd)

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