09.03.2009 | Garnisonkirche: Nur noch einer fehlt Bundesverdienstkreuz für Wiederaufbau-Fördervereins-Chef Bauer / Stiftung will noch im März starten

Die Stiftung Garnisonkirche ist so gut wie arbeitsfähig. Das Kuratorium der im vergangenen Jahr gegründeten Stiftung werde möglichst noch in diesem Monat komplett zusammengestellt sein, sagte der Vorsitzende des Fördervereins für den Wiederaufbau der Barockkirche, Johann-Peter Bauer, den PNN am Samstag sagte. Zehn der vorgesehenen elf Mitglieder seien bereits bestimmt. „Einer muss noch bestimmt werden,

Die Stiftung Garnisonkirche ist so gut wie arbeitsfähig. Das Kuratorium der im vergangenen Jahr gegründeten Stiftung werde möglichst noch in diesem Monat komplett zusammengestellt sein, sagte der Vorsitzende des Fördervereins für den Wiederaufbau der Barockkirche, Johann-Peter Bauer, den PNN am Samstag sagte. Zehn der vorgesehenen elf Mitglieder seien bereits bestimmt. „Einer muss noch bestimmt werden, aber wir sind dran”, sagte Bauer am Rande des Empfangs zu seinem 70. Geburtstag. Geplant sei, die Kuratoriumsmitglieder während eines Gottesdienstes am 23. Juni, dem 41. Jahrestag der Sprengung der Kriegsruine, der Öffentlichkeit vorzustellen.
Bauer, der dem Förderverein seit dem Jahr 2006 vorsteht, wurde während des Geburtstagsempfangs von Ministerpräsident Matthias Platzeck für seine Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Bauer habe sich große Verdienste um Potsdam erworben, sei unermüdlich ehrenamtlich tätig, unter anderem für die Johanniter, die Hoffbauer-Stiftung und für elternlose Kinder in Russland, denen er mit seiner Spendentätigkeit in Tilsit ein lebenswertes Zuhause ermögliche. Zu den Gästen gehörten auch Bischof Wolfgang Huber, Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs und der frühere brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe.
Stolpe würdigte den früheren Kapitän zur See, der nach der Wende viele Jahre verantwortlich in der Staatskanzlei arbeitete, als prinzipienfesten, ausgleichenden „Menschenfischer”. Es sei ein Segen für Potsdam gewesen, dass „Käptn Bauer” mit seiner Familie in Potsdam an Land gegangen sei. Stolpe forderte zugleich mehr Engagement der Potsdamer für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Die Kirchenruine sei im Jahr 1968, im Jahr des Prager Frühlings, „geschliffen” worden, weil der SED-Staat Angst hatte, dass es auch in der DDR zu einer Demokratiebewegung kommen könnte. Mit Blick auf den Landtagsneubau, der mit der barocken Fassade von Knobelsdorff gebaut werden soll, sagte Stolpe: „Es passiert viel in Potsdam – nur die Nase im Gesicht dieser Stadt fehlt noch.”
Stiftung und Förderverein haben sich zum Ziel gesetzt, zumindest den Turm der einst stadtbildprägenden Garnisonkirche bis zum 31. Oktober 2017, dem 500. Jahrestag der Thesen Luthers, wieder aufzubauen. Allein dafür werden rund 25 Millionen Euro benötigt, der Wiederaufbau der gesamten Kirche würde rund 65 Millionen Euro kosten.
Die 1737 eingeweihte Barockkirche in der Breiten Straße war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Die Ruine war von der DDR-Regierung 1961 gesprengt worden, auch um ein angebliches Symbol des Preußentums aus dem Stadtbild auszulöschen. Die wiederaufgebaute Garnisonkirche soll als Symbol- und Stadtkirche sowie als Erinnerungsort genutzt werden und insbesondere der Friedens- und Versöhnungsarbeit dienen.
Bauer zeigte sich optimistisch, dass der Spendenmarathon erfolgreich sein werde. Von dem Landtags-Schloss und dem am vergangenen Freitag begonnenen zweiten Bauabschnitt für den Stadtkanal würden Signale ausgehen für die Wiedergewinnung der alten Potsdamer Mitte. Davon werde auch das Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche profitieren. Vor allem aber werde das arbeitsfähige Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche Garant sein für viele neue Spenden.
Zu den Spendern während des Geburtstagsempfangs gehörten die Hoffbauer-Stiftung, die 2000 Euro für geschichtliche Bildungsarbeit spendete, und der Geschäftsführer des Inselhotels auf Hermannswerder, Burkhard Scholz, der 1000 Euro für den Nachbau der Wetterfahne der Kirche übergab – der Erlös stammt aus dem Verkauf einer speziellen Sektsorte, der „Leutnantsbrause”. (Michael Erbach)

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