18.08.2011 | GARNISONKIRCHE: Klaar will für Grablege spenden – Überraschendes Angebot im Wiederaufbaustreit / Garnisonkirchenstiftung winkt ab

POTSDAM / INNENSTADT – Eine ungewöhnliche Wendung nimmt der Dauerkonflikt unter den widerstreitenden Garnisonkirchen-Erbauern: Die Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE) erklärt sich nach jahrelangem Tauziehen nun bereit, ihre in einer Projektrücklage

POTSDAM / INNENSTADT – Eine ungewöhnliche Wendung nimmt der Dauerkonflikt unter den widerstreitenden Garnisonkirchen-Erbauern: Die Stiftung Preußisches Kulturerbe (SPKE) erklärt sich nach jahrelangem Tauziehen nun bereit, ihre in einer Projektrücklage geparkten 6,3 Millionen Euro dem Wiederaufbau zugute kommen zu lassen – allerdings zu Konditionen, die für die Stiftung Garnisonkirche unannehmbar sein dürften.

 

In seinem jüngsten Rundbrief macht der SPKE-Vorsitzende Max Klaar ein Angebot, das auf den ersten Blick großherzig anmutet. Unter Verweis auf das Regierungsmotto des Soldatenkönigs und Garnisonkirchenerbauers Friedrich Wilhelm I. – „So ich nun baue Stadt und Land und mache nicht Christen, ist alles nichts nütze.“ – schreibt Klaar: „Dabei würden wir dann gerne die Wiederherstellung der Grabstätte dieses großen Königs in seiner Kirche realisieren, wofür Ihre Spenden in der Projektrücklage reichen dürften. Es wäre zugleich der krönende Abschluss dieses für unsere Nation so wichtigen Projektes. Eine würdigere Verwendung Ihrer Gelder gäbe es wohl nicht“, so Klaars Ansage an seine Stiftungsmitglieder.

 

Die Reaktion des Vorsitzenden der Fördergesellschaft Wiederaufbau (FWG), Johann-Peter Bauer, auf Klaars Spenden-Offerte fiel gestern eindeutig aus. Seine Reaktion sei, so Bauer, „gleich null“: „Das ist typisch Max Klaar. Alles bis zur letzten Sekunde zurückzuhalten, um bloß kein Geld für den Turmbau ausgeben zu müssen.“

 

Was Klaar in seinem Rundbrief nämlich geflissentlich unerwähnt lässt: Die Grabstätte des Königs befand sich seinerzeit im Kirchenschiff und nicht im Kirchturm, an dessen Projektierung derzeit im Auftrag der Stiftung Garnisonkirche gearbeitet wird. Idealistisches Fertigstellungsziel für den Turm: 2017. Momentan fehlen aber die Mittel für den Turmbau – ganz zu schweigen von den Summen für das Kirchenschiff, wo sich die Grablege in einer Gruft unter der Kanzel befinden würde. Für FWG-Chef Bauer ist Klaars Ansinnen nicht viel mehr als ein Schachzug. „Er versucht, sich rauszuwinden, und seine Klientel damit hinzuhalten.“ Im Hinblick auf den Wiederaufbau hält Bauer die Absichtserklärungen Klaars ohnehin nur für mäßig interessant: „Mit seinem Geld könnten wir ohnehin weder Kirche noch Turm aufbauen. Wir müssen uns eine eigene Klientel schaffen.“

 

Möglicherweise möchte Klaar mit seiner neuen Strategie auch eine Klage durch die Garnisonkirchenstiftung gegenstandslos machen. Anfang 2011 hatte Alt-Ministerpräsident und Kuratoriumsmitglied Manfred Stolpe eine solche Klage in den Raum gestellt, nachdem Klaar zuvor in einem Interview angedeutet hatte, dass die Projektrücklage irgendwann auch in das SPKE-Kapital fließen könne.

 

Damit wären die Spenden letztlich nicht an die Garnisonkirche, sondern an andere preußische Kulturgüter geflossen. Stolpes Argument damals: Dieser „Zweckentfremdung“ der zum Wiederaufbau bestimmten SPKE-Gelder müsse man notfalls mit einer Klage begegnen.

 

Mit der Bindung der 6,3-Millionen-Projektrücklage an die Grablege im – noch lange rein virtuellen – Garnisonkirchenschiff hat Klaar wieder einmal eine überraschende Volte geschlagen. In seinem Rundbrief spart er auch nicht mit dem gewohnten Spott für die Gegenseite. Etwa über die von den „Potsdamer Synodalen geäußerte törichte Absicht, nur den Turm zu bauen und 2045 – nach hundertjähriger Buße – den Herrgott zu fragen (Fußnote: Bitte Telefonnummer angeben!), ob er denn die Buße der Deutschen angenommen habe. Und falls der Herr das dann bejahen sollte, könne man das Kirchenschiff wiedererbauen“, so Klaar sarkastisch in dem Rundbrief.

 

Der theologische Vorstand der Garnisonkirchenstiftung, Martin Vogel, sagt dazu nur lapidar: „Es gibt keine mir bekannte Beschlusslage aus der evangelischen Kirche, die eine derartige Festlegung vornimmt.“ Sein Rat an die potenziellen SPKE-Spender: „Wer Max Klaar sein Geld gibt, sollte vorher zumindestens Dürrenmatts ,Der Besuch der alten Dame’ lesen.“ (MAZ vom 18.08.2011, Von Ildiko Röd)

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