22.12.2012 | Garnisonkirche: Huber hofft auf den Bund

Der Alt-Bischof bezeichnet den Wiederaufbau des Gotteshauses in Potsdams Zentrum als ein Projekt von nationaler Bedeutung. Baubeginn für den Turm soll im Jahr 2013 sein.   Potsdam – Trotz Widerständen

Der Alt-Bischof bezeichnet den Wiederaufbau des Gotteshauses in Potsdams Zentrum als ein Projekt von nationaler Bedeutung. Baubeginn für den Turm soll im Jahr 2013 sein.

Potsdam – Trotz Widerständen und Finanzierungslücken soll 2013 mit dem Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche begonnen werden. „Das ist unsere feste Absicht“, erklärte Altbischof Wolfgang Huber, Kuratoriums-Vorsitzender der evangelischen Stiftung „Garnisonkirche“, im PNN-Interview. Demnach soll bis zum Jahr 2017 der Turm stehen. Stufenweise errichtet, abhängig vom Eingang von Geldern. Solche Projekte „müssen erst anschaulich sein, danach gewinnt man die Menschen“, sagte Huber. Um die 38 Millionen Euro dafür und die 100 Millionen Euro für die gesamte Kirche aufzubringen, setze die Stiftung zwar weiter auf Spenden – aber nicht mehr ausschließlich. Huber bestätigte, dass wie bei der Dresdner Frauenkirche der Bund als Mitfinanzierer gewonnen werden soll.

Stadt Potsdam und Land Brandenburg unterstützen das Projekt bereits. Nun setzt die Stiftung auf den Bund, da es sich nach seinen Worten um ein Projekt von nationalem Rang handelt. Huber verwies darauf, dass die Garnisonkirche zum Stadtbild Potsdams gehöre, „der Zustand, von dem wir ausgehen, maßgeblich durch die Deutsche Demokratische Republik herbeigeführt wurde und die Bundesrepublik in dieser Hinsicht Rechtsnachfolger ist“. Er hoffe, dass „das berücksichtigt wird und sich die Frage einer Förderung durch den Bund zum gegebenen Zeitpunkt stellt und dann klärt.“

Durch das Milliarden-Debakel um den neuen Hauptstadtflughafen sieht Huber sich in seiner Hoffnung sogar bestärkt: „Wenn so viel Geld für den Flughafen da ist, dann wird es für die Garnisonkirche auch nicht fehlen.“

Der Wiederaufbau ist umstritten, weil in der Garnisonkirche die Nationalsozialisten am 21.März 1933 den berüchtigten „Tag von Potsdam“ inszeniert hatten. Vor der Kirche kam es zum Händedruck von Hindenburg und Hitler – ein Bild, das Symbol wurde für die Verbindung von Preußen und Nationalsozialismus. 2013 wird das 80 Jahre her sein. Huber verwahrte sich dagegen, die 300-jährige Geschichte der Kirche auf diesen Tag zu reduzieren, was „im Ergebnis eine Kapitulation vor dem Ungeist von Goebbels und Hitler“ wäre.

Die Stiftung will stattdessen die Geschichtsbrüche aufnehmen, im Konzept als offene Stadtkirche, Erinnerungsort und „Ort zum Lernen der Verantwortung für den Frieden“, wie Huber sagt. Es gebe „keinen kirchlichen Ort in der Bundesrepublik, in dem man eine verantwortliche Auseinandersetzung mit unserer Geschichte so intensiv praktizieren kann wie in der Garnisonkirche“.

Der frühere Ratschef der evangelischen Kirche Deutschlands verteidigte, dass sich die evangelische Militärseelsorge der Bundeswehr am Projekt beteiligt: „Ich halte nichts davon, ausgerechnet den Berufsstand auszusperren, der in die Fragen von Frieden und Gewalt intensiver einbezogen ist als andere.“ Die Garnisonkirche sei „offen für Soldaten“, werde aber „nie wieder eine Soldatenkirche“. Es werde kein Denkmal für Bundeswehrsoldaten geben, die bei Auslandseinsätzen ums Leben kamen. Doch „Angehörige von gefallenen, von ums Leben gekommenen Bundeswehrangehörigen finden in der Garnisonkirche hoffentlich einen Ort, an dem sie verarbeiten können.“ (Thorsten Metzner, PNN vom 22.12.2012)

Zurück


zum Seitenanfang