03.09.2012 | Expedition durchs Glaubensland – Kirche kann’s: Witzig, schmackhaft, klangvoll präsentierte sich die 7. Nacht der Offenen Kirchen

POTSDAM – Sonnabend, 18 Uhr, St. Nikolai: Noch ist die 7. Nacht der Offenen Kirchen taghell. Auch die 70 Teilnehmer der ausgebuchten Bustour sind hellwach und voller Erwartung.

POTSDAM – Sonnabend, 18 Uhr, St. Nikolai: Noch ist die 7. Nacht der Offenen Kirchen taghell. Auch die 70 Teilnehmer der ausgebuchten Bustour sind hellwach und voller Erwartung. Vor der Kirche begrüßt Pfarrer Matthias Mieke die erste „Laufkundschaft“: Wanderer, die immer wieder den großformatigen Programm-Plan aus dem Ränzel kramen – schauen, was in den 15 Gemeinden so los ist.

Losgegangen ist inzwischen auch die Bustour, geleitet von der eloquenten Bornstedterin Jutta Erb-Rogg, die mit Fakten aufwartet: „Die größte Vereinsgruppe in Potsdam sind nicht die Sportler, sondern die Christen.“ Aber natürlich ist der Glaube keine Bedingung, um bei der Tour Spaß zu haben. Kirchen sind einfach Kulturgut. Unter den Mitfahrern: Wolfgang Schröder, Staatssekretär im Sozialministerium; Markus Wicke, Chef des Museumsfördervereins; Druckereibesitzer Christian Rüss, der eifrig fotografiert. An den T-Shirts und Hemden der „Expeditionsteilnehmer“ prangen kreative Namensschildchen: Wäscheklammern, auf denen in Kuli-Schrift der Name steht. Joana (23) aus Breslau, die derzeit ein Erasmus-Praktikum in Berlin macht, hat ihre Klammer im letzten Moment ergattert. „Beim Stadtbummel sah ich zufällig den Kirchennacht-Flyer: Eine kostenlose Kirchenrundfahrt – toll!“ Joana ist katholisch. Trotzdem ist sie hellauf begeistert, als sie Herrn Luther trifft. Luther tafelt in der Kapelle an der Breiten Straße und plaudert unverblümt über seine Käthe und die Realitäten des heiligen Ehestandes. Die Lacher hat er auf seiner Seite, doch leider nicht die Zeit – der Bus wartet: Also schnell zum Friedenssaal zum gedeckten Tisch von Muslimen, Juden, Buddhisten, Christen. Letztere mit biblischer Gourmetküche: Hirsebällchen, judäischer Wüstensalat – alles, was schon auf der Hochzeit zu Kana schmeckte. Auf dem jüdischen Tisch lockt koschere Küche. Kurz vor der Kirchennacht hatte es leider Verwerfungen zwischen Synagogengemeinde und Jüdischer Gemeinde gegeben, so dass es nicht zu einem gemeinsam aufgetischten Mahl der zwei Gemeinden im Friedenssaal kam. Schade!

Abendfrieden liegt über der Klein Glienicker Kapelle, vor der man gemeinsam das Brot bricht. Ohrenschmaus dann in der Alten Neuendorfer Kirche mit Rokoko-Ladys. Sankt Antonius empfängt mit Weihrauch; typisch für katholische Kirchen. Andächtig blicken alle auf das Apsismosaik, das mehr als eine Million Steinchen hat. Müde sind jetzt alle, aber auch beflügelt: „Im Urlaub besucht man ja auch jede Kirche am Wegesrand. Nur zu Hause nutzt man diese Möglichkeit viel zu wenig“, sagt eine Dame nachdenklich, bevor es in die Oberlinkirche zu Orgel- und Saxofonmusik („Black Orpheus“) geht, gespielt von zwei Anästhesistinnen. „Von Orpheus zu Morpheus“, scherzt jemand. Als der Bus die Innenstadt erreicht, steht der Vollmond filmreif über der Friedenskirche. Joana, die quirlige Polin, ist ganz enthusiastisch: „I love it. Überall wurden wir so herzlich empfangen.“

Zufriedenheit auch bei den Organisatoren um Michael Kreutzer vom Stadtkirchenpfarramt. 2013 gibt es wieder eine Kirchennacht. Wegen des Andrangs will man dann das Angebot an Bus- und Radtouren aufstocken. (MAZ vom 03.09.2012, Von Ildiko Röd)

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