13.08.2013 | Es kann losgehen

Mit der Zwölf-Millionen-Euro-Zusage vom Bund kann der Wiederaufbau der Garnisonkirche nun endlich beginnen. Doch nicht alle sind für das Projekt in der Potsdamer Stadtmitte Wie weit ist das Projekt Wiederaufbau fortgeschritten? Erst vor knapp

Mit der Zwölf-Millionen-Euro-Zusage vom Bund kann der Wiederaufbau der Garnisonkirche nun endlich beginnen. Doch nicht alle sind für das Projekt in der Potsdamer Stadtmitte

Wie weit ist das Projekt Wiederaufbau fortgeschritten?

Erst vor knapp zwei Wochen konnte die Stiftung Garnisonkirche Potsdam einen Durchbruch auf dem Weg zum Wiederaufbau verkünden. Die langersehnte Baugenehmigung für den Turm und die Kapelle war eingegangen. Und noch eine weitere Hürde war genommen: Der Streit zwischen Stiftung und Fördergesellschaft um die Gestaltung des Kapellenraums war beigelegt: Nun soll er kreuzförmig statt achteckig und zudem weniger hoch als ursprünglich geplant sein. Bei dem Pressetermin vor zwei Wochen hatte Peter Leinemann, Verwaltungsvorstand der Stiftung, gesagt, bis zum Jahresende sollten weitere zwölf Millionen Euro eingesammelt werden, um im Frühjahr 2014 mit dem Bau beginnen zu können. Offenbar hat er mit der Unterstützung des Bundes schon rechnen können. Nun sind die zwölf Millionen tatsächlich da, der Bau kann also im Frühling beginnen.

Wie sicher ist es, dass das Geld tatsächlich kommt?

Eingeplant sind die zwölf Millionen im Haushaltsentwurf der amtierenden schwarz-gelben Bundesregierung. Sollte diese bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 abgewählt werden, würden die Karten neu gemischt. Aktuellen Umfragen zufolge scheint das aber unwahrscheinlich.

Wer ist für den Bau der Kirche eigentlich verantwortlich?

Zuständig für den Bau ist die 2004 gegründete Stiftung Garnisonkirche. Unterstützt wird sie von der schon deutlich länger bestehenden Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam, die bei der Einwerbung von Geldern hilft. Die Fördergesellschaft hat eigenen Angaben zufolge 800 Mitglieder in der ganzen Welt.

Wie viel kostet der Wiederaufbau insgesamt?

Für Turm und Kapelle, die zunächst gebaut werden sollen, werden rund 40 Millionen Euro benötigt. Für die komplette Kirche kommen noch mal 60 Millionen Euro dazu – insgesamt kostet das Projekt also 100 Millionen Euro.

Wie viel Geld wurde schon eingenommen und woher kam das?

Eigenen Angaben zufolge hat die Stiftung bislang 6,5 Millionen Euro eingenommen und auch schon ausgegeben. Etwa zwei Millionen Euro stammten aus privaten Großspenden – eine Million Euro gab die Werner-Siemens-Stiftung, eine weitere Million Euro stammt aus dem Nachlass einer verstorbenen Dame. Zwei Millionen Euro gab die Landesregierung aus dem Vermögen der DDR-Parteien und -Massenorganisationen (PMO-Mittel). Weitere Mittel stammten aus Kleinspenden, dem Verkauf von signierten Ziegeln sowie Zuwendung kirchlicher Träger wie die Militärseelsorge, der Evangelisch- Kirchliche Hilfsverein (EKH), die Landeskirche und der Kirchenkreis Potsdam. Nicht zu den eigentlichen Baukosten von 40 Millionen Euro für den Turm und 60 Millionen Euro für das Kirchenschiff zählt die Stiftung 610 000 Euro Stiftungskapital sowie die 500 000 Euro, die für die temporäre Kapelle an der Breiten Straße ausgegeben wurden.

Was ist mit dem Geld, das die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel einst für den Wiederaufbau gesammelt hat?

Die 6,3 Millionen Euro, die die „Traditionsgemeinschaft“ um den Ex-Bundeswehroffizier Max Klaar gesammelt hatten, sind in die von ihm gegründete Stiftung „Preußisches Kulturerbe“ geflossen. Dort sind sie offenbar immer noch. Klaar hält die Spenden zurück, weil er die Garnisonkirche nicht als Versöhnungszentrum aufgebaut sehen will.

Unterstützt auch die Landesregierung Brandenburg das Projekt?

2010 hat Brandenburg zwei Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt. Es stammte aus den Mitteln der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Vermögen) und wurde vom Landtag so abgesegnet. Das SPD-geführte Kulturministerium verteidigte die Zuweisung auch gegen Kritiker, die sich daran störten, dass öffentliche Gelder in das umstrittene Projekt flossen.

Wer sind die Gegner und was sagen sie nun?

Seit Anfang an gegen das Projekt ist die Potsdamer Fraktion Die Andere. Deren Stadtverordneter Sandro Szilleweit ist auch auch Sprecher der Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“. Für ihn ist die Zusage der zwölf Millionen Euro ein Rückschlag. Sein Parteifreund Lutz Boede spricht von einem Missbrauch öffentlicher Mittel. Er findet, mit dem Wiederaufbau würden „Traditionslinien aufgegriffen, die aus guten Gründen überwunden sind“, etwa der preußische Militarismus. Die Potsdamer Linke hat ein gespaltenes Verhältnis zum Wiederaufbau der Kirche, hatte das Vorhaben aber toleriert. Voraussetzung dafür war allerdings, dass das Projekt durch private Spenden finanziert war. Angesichts der Zwölf-Millionen-Zusage werde seine Fraktion ihre Haltung nun überdenken müssen, sagt der Vorsitzende Hans-Jürgen Scharfenberg nun. Eine ähnliche Haltung haben die Potsdamer Grünen. Auch sie sind gegen den Einsatz von Steuergeldern und sind über die Zusage aus Berlin nicht begeistert.

Wer sind die Befürworter und was sagen sie nun?

Für den Wiederaufbau der Kirche sind in Potsdam die SPD samt Oberbürgermeister Jann Jakobs, aber auch die CDU und die FDP. Sie alle begrüßen die großzügige Spende aus dem Etat von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU).

Welche Bedeutung hat die Kirche für die Befürworter?

Aus Sicht der Befürworter ist die Garnisonkirche stadtbildprägend und zählt zu den Wahrzeichen Potsdams. Mit gut 88 Metern war der Turm der Kirche früher weithin zu sehen, im alten Potsdam war die Garnisonkirche sogar das höchste Bauwerk überhaupt.

Welche Rolle hat sie für die Gegner?

Für die Gegner ist die Garnisonkriche vor allem ein Symbol für den Militarismus. Außerdem erlangte das Gotteshaus durch den sogenannten „Tag von Potsdam“ zweifelhafte Berühmtheit. Die Nationalsozialisten hatten dort den Schulterschluss mit den Konservativen unter Reichskanzler Hindenburg inszeniert.

Was steht an der Stelle der Garnisionkirche derzeit und was passiert damit?

Auf dem Grundstück an der Breiten Straße, wo die Garnisonkirche stand, wurde 2011 eine temporäre Kapelle eingeweiht. Der Bau des schlichten Quaders aus Glas und Holz kostete 350 000 Euro und beherbergt den originalen eichenen Feldaltar. Evangelische Pfarrerin dort ist Juliane Rumpel.

Wie soll die Kirche später genutzt werden?

In der Kirche sollen Gottesdienste stattfinden, aber auch an die Geschichte erinnert werden. Die Macher sprechen von einem Versöhnungszentrum.

Was kann mit den zwölf Millionen konkret gemacht werden?

Der Bau des Turms ist in drei Bauphasen untergliedert. Die erste Bauphase beinhaltet das Fundament, die Tiefengründung, die Installation der Geothermie und den Bau der Turmkapelle. Laut Stiftung wird das allein etwa zwölf Millionen Euro kosten.

Wann soll die Kirche fertig wiederaufgebaut sein?

Turm und Kapelle sollen nach dem Willen der Initiatoren 2017 fertig sein. Dann jährt sich der Thesenanschlag des Reformators Luther zum 500. Mal.

(Potsdamer Neueste Nachrichten, 13.08.2013, von Guido Berg und Katharina Wiechers)

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