16.04.2012 | Erinnerung an Leid und Schuld – Gedenkandacht an „Nacht von Potsdam“ 1945

POTSDAM / MITTE – Auch wenn die Bombardierung Potsdams bereits 67 Jahre zurückliegt, erinnert sich Horst Goltz noch ganz genau an jene Nacht vom

POTSDAM / MITTE – Auch wenn die Bombardierung Potsdams bereits 67 Jahre zurückliegt, erinnert sich Horst Goltz noch ganz genau an jene Nacht vom 14. April 1945. „Durch die Altstadt kam man nicht mehr hindurch, alles stand in Flammen“, sagt Goltz, der die „Nacht von Potsdam“ als 15-Jähriger in einem öffentlichen Luftschutzkeller überlebte. Viele Tote hat Goltz gesehen in jener Nacht, am Stadtschloss und auf dem damaligen Wilhelmplatz, dem heutigen Platz der Einheit. Er hörte, wie mitten in der Nacht die Glocken der Garnisonkirche läuteten – die Hitze der brennenden Stadt hatte sie in Schwingung versetzt. Der Tod war auch Horst Goltz nah in dieser Nacht: Vor seinem Elternhaus auf Hermannswerder landete eine Bombe, ein Blindgänger. Verbitterung aber empfindet der 82-Jährige nicht. „Wenn die Engländer Potsdam nicht bombardiert hätten, wäre ich heute nicht hier“, sagte Goltz am Samstagabend bei einer Gedenkandacht in der Kapelle an der Garnisonkirche. Die „Nacht von Potsdam“ kostete 1600 Menschen das Leben und machte 60 000 obdachlos – Goltz rettete sie vor dem Einsatz an der Front.

Auf dem hölzernen Altar in der kleinen Kapelle an der Breiten Straße brannten am Samstagabend zwei weiße Kerzen. 25 Personen füllten die Stuhlreihen. „Wir gedenken den Opfern dieser Nacht vor 67 Jahren, den Opfern des Grauens der Kriege und wir gedenken der deutschen Schuld und bitten um Vergebung“, sagte Pfarrer Bertram Althausen. Mit einer Schweigeminute wurde der Opfer gedacht und Reverend Robin Youett von der Nagelkreuz-Gemeinschaft Coventry sprach das für Versöhnung werbende Nagelkreuzgebet. Deutsche Bomben hatten die britische Stadt Coventry 1940 zerstört.

Syrien, Sudan, Afghanistan und Irak: Pfarrer Althausen richtete in seiner Predigt den Blick auf Konfliktherde der Gegenwart. Er kritisierte, die Menschheit habe aus den Schrecken des Zweiten Weltkrieges nichts gelernt und glaube noch immer, mit Präventivkriegen Frieden erreichen zu können. „Es ist verlogen, dass wir Deutsche mit Rüstungsexporten sogar davon profitieren“, betonte er.

Die Erinnerung an Luftangriffe der Alliierten auf Potsdam hat Horst Goltz ein Leben lang begleitet. Dass es keine offizielle Gedenkstunde seitens der Stadt gab, empört ihn. „Es ist beschämend, dass sich der Oberbürgermeister nicht darum kümmert“, so der Rentner. Er fordert, Potsdam solle sich ein Beispiel an Dresden nehmen. (MAZ vom 16.04.2012, Von Viktoria Bittmann)

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