05.10.2020 | "Eine Frage des Gewissens? Zum Widerstand im Nationalsozialismus."

Dass es immer eine Frage des Gewissens ist, Widerstand zu leisten, stand bei der Veranstaltung des Wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Garnisonkirche Potsdam in der letzten Woche außer Frage. Aber worauf sich die Gewissheit des einzelnen Menschen gründet, zu entscheiden, was richtig oder falsch, was gut oder böse ist, wurde lebhaft debattiert. Auf dem Podium diskutierten der Militärhistoriker Prof. Dr. Winfried Heinemann und der Theologen Prof. Dr. Christoph Strohm, moderiert von der Journalistin Dr. Ursula Weidenfeld.

Das für die Gründung der Bundesrepublik Deutschland so wichtige Narrativ „20. Juli 1944“ hebt sich deshalb von anderen Formen des Widerstands ab, weil es sich gleichermaßen um einen Attentats- und wie um einen Umsturzversuch handelte. Die daran Beteiligten hatten unterschiedliche Motive: Ethische, moralische, religiöse, militärische... Letztlich hatten sie aber alle dasselbe Ziel. Sie wollten monströse Gewaltverbrechen, Verstöße gegen das Recht und einen aberwitzigen Krieg beenden. Dass es notwendig ist, sich in die so unterschiedlichen Prägungen und Motivlagen einzufühlen, um das Handeln oder auch Schweigen von Menschen unter den Bedingungen des Nationalsozialismus zu verstehen und zu bewerten, war kein überraschender Befund. 

Aber es kam die schwierige Frage auf, ob ein christlich geprägter Mensch die militärische Logik eines Wehrmachtsangehörigen mitvollziehen kann, ein aus dem Arbeitermilieu Stammender die moralischen Motive eines preußischen Adligen oder ein heute Jugendlicher die Gefühlslage seines in Kriegszeiten aufgewachsenen Opas.

Auch wenn es dazu keine eindeutigen Antworten gab und gibt, bleibt als wichtiger Befund festzuhalten: Sich mit Geschichte auseinanderzusetzen heißt, zu kontextualisieren. Kein Schwarz, kein Weiß, Mut zu den Graustufen!

 

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