22.03.2013 | „Ein stilistischer Griff ins Klo“ – Rabbiner Homolka kritisiert Antifa-Störer am Vorabend des “Tags von Potsdam”

Potsdam – Nach wie vor sorgt die Stör-Aktion der Antifa beim „Demokratiespaziergang“ am Vorabend des 80. Jahrestags des „Tags von Potsdam“ für breite Empörung. Wie berichtet, hatten

Potsdam – Nach wie vor sorgt die Stör-Aktion der Antifa beim „Demokratiespaziergang“ am Vorabend des 80. Jahrestags des „Tags von Potsdam“ für breite Empörung. Wie berichtet, hatten die Demonstranten am Mittwoch in SA-Uniform den Kerzenmarsch gekapert und teilweise sogar im Stechschritt angeführt, um gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche zu protestieren.

Deutschlands ehemaliger EKD-Ratschef, Alt-Bischof Wolfgang Huber, kritisierte gestern im MAZ-Gespräch die dadurch entstandene Verengung der Wahrnehmung des Jahrestages. „Diesen Tag zu verkürzen auf die Frage: ,Garnisonkirche Ja oder Nein?’, ist verkehrt.“ Huber bezeichnete es als „abwegig“, allen Teilnehmern am „Demokratiespaziergang“ zu unterstellen, dass sie zum Wiederaufbauprojekt eine definitive Meinung hätten und deswegen mitgegangen seien. „Sie sind mitgegangen, um die Beteiligung der Kirchen am ,Tag von Potsdam’ zu bedenken und zu fragen, welche Verantwortung sich daraus ergibt“, so Huber.

Klare Worte wählte gestern auch der Direktor des Abraham-Geiger-Kollegs, Rabbiner Walter Homolka, bei der Beurteilung der Antifa-Störer in SA-Uniform, die sich im Zuge ihrer Aktion auch vor der ehemaligen Synagoge am Platz der Einheit produziert hatten: „Ein stilistischer Griff ins Klo.“ Mit SA-Uniformen das Missfallen an der Garnisonkirche ausdrücken zu wollen, zeuge außerdem von „schrecklicher Unkenntnis der Zwischentöne der Geschichte“. Das Gotteshaus stehe für weit mehr als den „Tag von Potsdam“, betonte Homolka im MAZ-Gespräch. „Das Gebäude hatte zwei schreckliche Stunden – die waren am 21. März 1933.“ Darüber hinaus haben sich in der Gemeinde der Garnisonkirche auch Mitglieder des Widerstands vom 20. Juli 1944 engagiert. Zu DDR-Zeiten habe die Kirche Symbolkraft entfaltet: Der Widerstand ihrer Gemeinde gegen die Sprengung des Baus im Jahr 1968 richtete sich gegen obrigkeitliche Willkür.

Am Donnerstagabend saß Rabbiner Homolka gemeinsam mit dem Historiker Thomas Wernicke im Kutschstall auf dem Podium. Bei der Abschlussveranstaltung zum 80. Jahrestag ging es um das Thema: „Tag von Potsdam und Toleranzedikt: Zwei Gesichter einer Stadt“. Homolkas These: „Beide Fixpunkte sind für das Bild der Stadt nicht signifikant.“ Bei beiden handle es sich um Akte „von oben“. Erst der politische Umbruch 1989 bot Gestaltungsfreiheit. „Die Spielräume der Demokratie schaffen erst die Möglichkeit für ein tolerantes Potsdam“, so Homolka. MAZ vom 23.03.2013, von ir)

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