14.01.2012 | Disput um Turmgestaltung – Fördergesellschaft zum Wiederaufbau : Endgültige Abstimmung über das Innere des Garnisonkirchturms

POTSDAM / INNENSTADT – Am heutigen Eröffnungstag der neuen Dauerausstellung, die in der Kapelle an der Breiten Straße gezeigt wird, präsentieren sich die Wiederaufbau-Befürworter

POTSDAM / INNENSTADT – Am heutigen Eröffnungstag der neuen Dauerausstellung, die in der Kapelle an der Breiten Straße gezeigt wird, präsentieren sich die Wiederaufbau-Befürworter der Garnisonkirche zwar nach außen hin geschlossen, aber hinter den Kulissen gibt es Konfliktpotenzial. Konkret geht es darum, ob die Mitglieder der Fördergesellschaft Wiederaufbau Garnisonkirche (FWG) heute Nachmittag bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung grünes Licht für einen Kapellenraum im Turmsockel geben werden. Diese Wiederaufbauvariante wird von der Garnisonkirchenstiftung, die Bauherr des Turms ist, befürwortet. In der FWG stehen aber Verfechter einer originalgetreuen Rekonstruktion den Befürwortern eines größeren achteckigen Kapellenraums gegenüber. Im Original gab es im Turmfuß nur einen engen Kreuzgang, wo nach dem Krieg die Notkapelle untergebracht war. In den Turmflügeln sollen nach den neuen Plänen statt der Treppenhäuser Büros und ein Café Platz finden.

Sollte es heute keinen Konsens für die große Kapellen-Variante geben, wäre das zwar kein Hindernis für die Pläne der Stiftung, aber ein Image-Schaden. Wie berichtet, stimmten im Sommer 2011 FWG-Mitglieder mehrheitlich dafür, nicht vom Original abzuweichen. Der FWG-Vorstand hielt sich aber eine Hintertür offen: „Wenn es nicht anders geht“, könne sich der Vorstand die Schaffung „eines großen Raums“ für eine Schau über Widerständler vorstellen. Im August votierte das Kuratorium der Stiftung dann für die Abweichung vom Original.

Nach der heutigen Abstimmung in der FWG-Versammlung sollen morgen die Architektur-Pläne der Presse vorgestellt werden. Spannend wird auch die heutige Eröffnung der Dauerausstellung, die um 12 Uhr für geladene Gäste mit einem Vortrag beginnt – aus Platzgründen im Kutschstall am Neuen Markt. Teilnehmer der Initiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ wollen davor den Gästen 56 kritische Fragen zum Wiederaufbau auf Plakaten entgegenhalten. Die Fragen sind im Internet nachzulesen. „Wir sind im Prinzip froh darüber, weil wir ja die Debatte wollen“, sagte gestern der theologische Stiftungsvorstand Martin Vogel, der Theologe alle Fragen schriftlich beantwortet hat. (MAZ vom 14.01.2012, Von Ildiko Röd)

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