03.09.2015 | "Die Friedensdenkschrift der EKD - eine Sternstunde der evangelischen Kirche"

Podiumsdiskussion mit dem Friedensbeauftragten der EKD und dem Evangelischen Militärbischof in Potsdamer Nagelkreuzkapelle

Podiumsdiskussion mit dem Friedensbeauftragten der EKD und dem Evangelischen Militärbischof in Potsdamer Nagelkreuzkapelle

Bei einer Podiumsdiskussion zum Weltfriedenstag am 1. September in der Nagelkreuzkapelle Potsdam haben Militärbischof Dr. Sigurd Rink (Berlin) wie der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms die Bedeutung der Friedensdenkschrift der EKD betont. Rink nannte den 2007 durch den Rat der EKD veröffentlichten Text eine „Sternstunde der evangelischen Kirche“. Mit ihr sei das Leitbild des „Gerechten Friedens“  stark gemacht worden, was die Formulierung von einem „Gerechten Krieg“ abgelöst habe. Brahms sagte, er traue der Friedens- und Versöhnungsarbeit heute sehr viel zu, gerade angesichts der zahlreichen internationalen kriegerischen Konflikte. Beim Erinnern an den Kriegsbeginn vor 76 Jahren habe auch die Kirche eine positive Veränderung erlebt. Ein Vorrang liege in der Friedenswahrung und Prävention. „Dass es sich so entwickelt hat, ist eine Lerngeschichte der Kirche“, beschrieb der leitende Geistliche der Bremischen Landeskirche den Bewusstseinswandel.

Moderatorin Cornelia Radeke-Engst, Pfarrerin an der Nagelkreuzkapelle am Standort der Garnisonkirche, fragte die Kirchenvertreter nach der Rolle der Religion in kriegerischen Auseinandersetzungen. Brahms sah positive Beispiele in Liberia und auf den Philippinen, wo durch Religionsvertreter Friedenspotentiale gestärkt worden seien.  Rink sah die friedensstiftende Gestaltungskraft ebenso positiv. Der Islamische Staat (IS) verdrehe das allerdings, indem er besonders junge Leute anwerbe und die Lehre des Islam dazu missbrauche, Konflikte anzuheizen. 

Zur Rolle der Bundeswehr - auch in ihren Auslandseinsätzen - wurden in der Debatte Differenzen deutlich. Radeke-Engst hatte gefragt, wozu man das deutsche Militär angesichts der kirchlichen Orientierung auf den Frieden überhaupt brauche? Rink beantwortete das mit der notwendigen Landes- und Bündnisverteidigung. Nach der widerrechtlichen Einnahme der Krim sei das für ihn fast schockartig klar geworden. Nicht zu Unrecht fragten die baltischen Staaten sich: Sind wir noch sicher? Wenn Deutschland eine größere Verantwortung in der Staatengemeinschaft zugesprochen werde, könne man gemeinsame Missionen internationaler Truppen nicht anderen Nationen überlassen und die Bundeswehr herausziehen. Trotz einer enormen Reduzierung der deutschen Truppenstärke auf aktuell 185.000 Soldaten leiste die Bundeswehr gerade in Auslandseinsätzen sehr viel. Als Erfolg gelte unter anderen der UNIFIL-Einsatz im Mittelmeer vor der Küste des Libanon, bei dem Waffenschmuggel eingedämmt werde.

Brahms gestand zu, dass es deutsche Soldaten geben könne, und betonte: „Wenn Militär, dann die Bundeswehr“. Dennoch: „Die Bundeswehr ist für die Verteidigung zuständig, aber nicht am Hindukusch“,  kritisierte er den Einsatz in Afghanistan.

Im zahlreich erschienenen Publikum hörte der Diskussion auch Dr. Paul Oestreicher  zu, anglikanischer Pfarrer und vormaliger  Leiter des Versöhnungszentrums der Kathedrale von Coventry in England Der Mitinitiator der internationalen „Nagelkreuzbewegung“ gab zum Schluss der Diskussion eine geistliche Wendung: Er wolle nicht aufhören an die Tugend der Liebe zum Nächsten zu glauben und zu hoffen  - das sei der wichtigste Friedensbringer.

Zur Information: Der Friedensbeauftragte des Rates der EKD, Pastor Renke Brahms, ist im Hauptamt Leitender Geistlicher der Bremischen Evangelischen Kirche.  Die Beauftragung durch die EKD wurde erst 2008 geschaffen. Dr. Sigurd Rink  übernahm 2014 als erster hauptamtlicher Militärbischof der EKD seine seelsorgerliche Aufgabe an Soldaten und Soldatinnen in der Bundeswehr. 

Die Nagelkreuzkapelle steht am ehemaligen Standort der Potsdamer Garnisonkirche, die am 14. April 1945 bei einem Angriff alliierter Bomber in Brand geriet, schwer beschädigt und 1968 durch eine Verfügung der DDR-Staatsorgane unter Walter Ulbricht gesprengt wurde. Der Wiederaufbau der traditionsreichen preußischen Kirche  wird von der Stiftung Garnisonkirche Potsdam und der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche betrieben.

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