01/15/2024 | Demokratie verteidigen: Stiftung Garnisonkirche zeigt klare Haltung

Stellung beziehen gegen Rechtsextremismus, die Demokratie verteidigen: Zehntausende Menschen demonstrierten am Sonntag in Potsdam und Berlin. Zahlreiche Mitglieder vom Kuratorium und vom Vorstand der Stiftung Garnisonkirche waren dabei und zeigten eine klare Haltung. Hier Auszüge aus Redebeiträgen.

Angelika Zädow bei der Kundgebung in Potsdam. Foto: Holger Rohde

Angelika Zädow bei der Kundgebung in Potsdam. Foto: Holger Rohde

Rund 10.000 Menschen versammelten sich am Sonntag in Potsdam auf dem Alten Markt unter dem Motto „Potsdam wehrt sich“. Eingeladen zu der Kundgebung hatte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) im Namen des parteiübergreifenden Bündnisses „Potsdam bekennt Farbe“. Schubert ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche, ebenso wie der ehemalige Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) und die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Potsdam Angelika Zädow, die beide an der Kundgebung teilnahmen. Auch Martin Vogel, Theologischer Vorstand, und Dr. Jan Kingreen, Pfarrer am Turm der Garnisonkirche und Vorstand für Programm, kamen zur Kundgebung auf den Alten Markt, ebenso Maike Dencker, Vorsitzende der Fördergesellschaft und Kuratoriumsmitglied.

Superintendentin Angelika Zädow gehörte zu den Rednerinnen auf den Stufen der Nikolaikirche. „Ich bin aufgewachsen in diesem Land – im Westen der Republik - mit Klassenkameraden aus Indien und Indonesien. Ich habe die Vielfalt anderer Kulturen kennengerlernt und wie reich sie unser Leben machen. Diese möchte ich nie wieder missen“, sagte sie. „Menschenverachtung und Rechtsextremismus dürfen hier keine Chance haben. Wer verspricht, Menschen aus anderen Kulturen aus diesem Land ausweisen zu wollen, dem verspreche ich, dass unsere Kirche in unserer Gesellschaft laut und deutlich widersprechen wird und eintreten wird für Toleranz, für Vielfalt hier in Potsdam und in ganz Deutschland“, rief sie in die Menge.

Anlass der Kundgebung war die Berichterstattung über ein Treffen in Potsdam, bei dem rechtsradikale, verfassungsfeindliche Ideologen, AfD-Politiker und Unternehmer über einen Plan sprachen, wie man Migrant*innen, deutsche Staatsbürger*innen mit migrantischem Hintergrund und Flüchtlingshelfer*innen aus Deutschland vertreiben und deportieren kann. „Diese Pläne erinnern an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Es ist an der Zeit, Gesicht zu zeigen und unsere Demokratie zu verteidigen“, hatte Oberbürgermeister Mike Schubert in seinem Aufruf zur Kundgebung appelliert. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) folgten dem Aufruf und kamen auf den Alten Markt.

25.000 Menschen in Berlin: "Damit der Hass nicht gewinnt"

In Berlin versammelten sich am Sonntag vor dem Brandenburger Tor rund 25.000 Menschen zu einer Demonstration gegen Rechtsextremismus und für Demokratie, zu der die Klimaschutzgruppe Fridays for Future aufgerufen hatte. „Demokratie verteidigen“ lautete das Motto der Veranstaltung, bei dem auch Harald Geywitz sprach. Er ist Präses der Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und Mitglied im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche.

„Wir sind gemeinsam hier, auch wenn uns sonst vieles trennen mag. Wir haben ganz bestimmt sehr unterschiedliche Meinungen zu allen möglichen Themen, sogar gegensätzliche Positionen. Aber es ist gut, so wie heute, innezuhalten und zu fragen: Was verbindet uns? Was ist der gemeinsame Grund, auf dem wir stehen? Dazu gehört ganz sicher eins: die Würde jedes Menschen mit aller Kraft zu schützen. Das ist der Anspruch, der uns verbindet und der nicht bloßer Appell sein darf“, sagte Geywitz.

„Zu denjenigen, die Demokratie und Rechtsstaat aktiv bekämpfen, gehört die AfD in unheiliger Allianz mit Rechtsextremen. Das ist überhaupt nicht neu. Es ist die altbekannte Soße: Schuld sind aus deren Sicht immer die Anderen – die anders aussehen, die anders denken, die anders glauben, die anders leben. Ob nun ‚Ausländer raus‘ gebrüllt wird oder man im feinen Ambiente von ‚Re-Migration‘ schwadroniert – ich kann da keinen Unterschied erkennen. Gefährlich ist beides, und unseren Widerstand hat es so oder so verdient“, so Geywitz.

Mit Blick auf die zahlreichen anstehenden Wahlen in diesem Jahr appellierte er: „Lasst uns ins Gespräch kommen. Wir brauchen Orte und Diskussionen, in denen Menschen erkennen können, worum es geht, wer da kandidiert und welche menschenverachtenden Positionen teilweise zur Wahl gestellt werden. Lasst uns in allen Organisationen, Kirchengemeinden, Vereinen oder anderen Gruppen vor Ort Gespräche anzetteln. Damit der Hass nicht gewinnt.“

Den vollständigen Redebeitrag von Harald Geywitz lesen Sie hier

Text: Beatrix Fricke

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