17.06.2010 | Das erste Tor schießt immer eine Frau – Ausstellung „Peace Counts – Die Erfolge der Friedensmacher“ in der Breiten Straße eröffnet

Innenstadt – „Only bad news are good news“ heißt es bei der angelsächsischen Yellopress – nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Immer nur Krieg, Tod und Gewalt, beklagt TV-Journalistin Petra Gerster im Begleitbuch der Ausstellung „Peace Counts – Die Erfolge der Friedensmacher“, die gestern in den Räumen des Garnisonkirchen-Vereins in der Breiten Straße eröffnet wurde.

Innenstadt – „Only bad news are good news“ heißt es bei der angelsächsischen Yellopress – nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Immer nur Krieg, Tod und Gewalt, beklagt TV-Journalistin Petra Gerster im Begleitbuch der Ausstellung „Peace Counts – Die Erfolge der Friedensmacher“, die gestern in den Räumen des Garnisonkirchen-Vereins in der Breiten Straße eröffnet wurde. Und nach den Nachrichten geht es weiter: 25 000 Menschen sterben jährlich in den TV-Krimis des deutschen Fernsehens. Wo bleibt da eigentlich das Positive? „Ja weiß der Teufel wo das bleibt!“, resignierte schon der Schriftsteller Erich Kästner.

Woher auch immer die Faszination für das Fatale kommt – Petra Gerster und Kollegen haben in einem mehrjährigen großangelegten Projekt die Guten auf dieser Welt gesucht, gesprochen und fotografiert – die Friedensmacher. Einmal wenigstens sollten die Hoffnungsträger die „Troubleshooter“ ausstechen. Es sind Ärzte, Priester, Künstler, Geschäftsleute, Sportler und Entwicklungshelfer, die anders als Staatsmänner oder Generäle dafür sorgen, dass Frieden mehr ist als die berühmte Kantsche Friedhofsruhe, die Zeit zwischen zwei Kriegen.

Die Ausstellung „Peace Counts“ war bereits einmal für vier Tage in der Potsdamer Staatskanzlei zu sehen, als Begleitausstellung einer Veranstaltung des Diakonischen Werkes zum Täter-Opfer-Ausgleich. Zu kurz, befand Matthias Beutke, Mediator des Diakonischen Täter-Opfer-Ausgleichs, und organisierte die Ausstellung in der Breiten Straße, die noch bis zum 2. Juli in Potsdam bleibt. Die Befürworter des Wiederaufbaus der Garnisonkirche ergriffen die Gelegenheit beim Schopfe – schließlich sehen sie die wiedererrichtete Kirche als Ort der Friedensarbeit. „Wir haben uns das auf die Fahnen geschrieben“, so Johann-Peter Bauer, Vorsitzender der Fördergesellschaft.

Zur Ausstellung gehört ein umfangreiches Begleitprogramm für Schulen. Studenten der Sozialpädagogik der Potsdamer Fachhochschule führen Klassen durch die Ausstellung. Gestern war die 9c des Wolkenberg-Gymnasiums in Michendorf in der Breiten Straße. Schülerin Luana erklärte John Jairo aus Kolumbien zu dem für sie interessantesten Friedensmacher. John Jairo war in Medellin selbst Mitglied einer kriminellen Gang. Den Ausweg aus der Gewalt fand er im Fußballspiel. Unter dem Motto „Ball statt Revolver“ organisierte er Fußballturniere. Fußball ist die einzige Möglichkeit, an die Jugend heranzukommen. Fußball interessiert die Jungs. Internationale Bekanntheit erreichte Jairo, in dem er neue Fußballregeln einführte, die ein Deutscher erfand, Jürgen Griesbeck. Demnach müssen in jeder Mannschaft mindestens zwei Mädchen oder Frauen mitspielen – und eine von ihnen muss das erste Tor schießen. Zwar stieß das Vorhaben bei den Jungs und Männern nicht gleich auf Gegenliebe – doch Hartnäckigkeit führt zum Erfolg: Heute spielen 17 000 Jugendliche in 1600 Mannschaften nach den neuen Fußballregeln.

Zu den Studenten, die durch die Ausstellung führen, gehört der in Israel geborene Arie Shulov, der die in seinem Heimatland übliche dreijährige Armeezeit absolviert hat. Bei der Marine, wie er berichtet. Aber Schießen habe er nicht müssen, außer bei Übungen. Gewaltfreiheit, sagt Arie Shulov, ist die Basis jeder Konfliktlösung. Allerdings müsse das Konsens sein auf beiden Seiten (Guido Berg, PNN vom 17.06.2010)

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