16.06.2016 | Brandenburger Pfarrer singt für Wiederaufbau der Garnisonkirche

Pfarrer Wolf Fröhling interpretiert Georg Kreisler und seine „nichtarischen Arien“  in der Nagelkreuzkapelle Potsdam.

Fröhling interpretiert Georg Kreisler und seine „nichtarischen Arien“

Wer Kreisler-Lieder singt, muss auch ein wenig vom Temperament des Wiener Komponisten Georg Kreisler haben.  Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war Kreisler nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich 1938 in die Vereinigten Staaten emigriert, erwarb 1943 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Im Krieg wurde er zur US-Armee eingezogen. 1955 kehrte er nach Europa zurück, wurde aber niemals wieder Österreicher.

Wolf Amadeus Fröhling kennt die Chansons des Kabarettisten aus dem Effeff und zeigte das in der Potsdamer Nagelkreuzkapelle am Standort der Garnisonkirche. Hauptberuflich ist Fröhling evangelischer Pfarrer. Während des Benefizkonzertes trug er ein umgehängtes kleines Holzkreuz. Der gebürtige Potsdamer ist Pfarrer im Kirchenkreis Barnim und interpretiert seit fast 20 Jahren Georg-Kreisler-Lieder. Seit seiner Geburt leide er an einem gewissen Phantomschmerz, was Potsdam anbelangt, bekannte er. Die Zuhörer durften das durchaus mit der noch nicht wieder aufgebauten Garnisonkirche in Verbindung bringen. Auch eine weitere Feststellung zum Geld konnte man augenzwinkernd auf den Wiederaufbau beziehen: „Ganz besonders schlimm kommt es, wenn man zu viel davon hat“, sagte der singende Geistliche.

Die Stärke Fröhlings liegt in seiner Fähigkeit, sich ganz in eine Kultur hineinversetzen zu können: So in jüdische Selbstkritik und ihren Humor. In den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts habe das „Jüdeln“ im Kabarett einen eigenen Platz gehabt, erläuterte der Musiker am Flügel. Eine jüdische Anekdote zeige den „schwarzen Humor“ besonders gut: Der Sohn eines Juden will von seinem Vater wissen, was das Wort „Mischpoke“ bedeutet. „Ist das etwas zu essen?“, fragt der Junge. „Nein“, sagt der Vater: „Etwas zum kotzen“.

Nagelkreuzpfarrerin Cornelia Radeke-Engst bedankte sich nach mehrmaligem Applaus des Publikums mit einer Flasche Garnisonkirchenwein.

 

Text: Roger Töpelmann

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