22.07.2015 | Botschafter für die guten Deutschen

Podiumsdiskussion im Filmmuseum Potsdam zum Widerstand

„Gemeinsam widerstehen“ – die Veranstalter bezogen den Titel einer Podiumsdiskussion im Filmmuseum Potsdam auf den Widerstand von Kommunisten und Adligen  im Nationalsozialismus. Anlässlich des Gedenkens an den 20. Juli 1944 hatten sich im Kinosaal trotz sommerlich heißen Temperaturen eine stattliche Zahl Zuhörer zusammengefunden, viele von ihnen Unterstützer des Wiederaufbaus der Garnisonkirche.  Auf der Bühne vor der Leinwand  eröffnete Moderatorin Cornelia Radeke-Engst, Pfarrerin der Nagelkreuzkapelle, ein Gespräch, das die Frage nach den Gemeinsamkeiten beider Widerstandsgruppen beleuchten sollte. Dr. Erardo Christoforo Rautenberg, Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, schilderte als Angehöriger des Jahrgangs 1953, im Kalten Krieg der 50er und 60er Jahre habe im Westen der kommunistische Widerstand wenig Beachtung gefunden. Hingegen sei der 20. Juli immer ein festes Gedenkdatum geblieben. Wenig bekannt sei aber zu seiner Jugendzeit gewesen, dass es immerhin 30 Versuche gab, Adolf Hitler zu töten, nicht nur durch Militärs. Zu Beginn der Nazi-Diktatur hätten sich  Sozialdemokraten und Kommunisten nicht zu einem gemeinsames Vorgehen bereit gefunden, beschrieb der Honorarprofessor an der Europa-Universität Viadrina die historische Situation.

Spiegel-Autorin und Verlegerin Elisabeth Ruge wollte  die Verschwörer des 20. Juli und andere Widerstandskreise aber eher als ein Netzwerk sehen: Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Julius Leber als Beispiele.  „Da haben Menschen zueinander gefunden, die dann agiert haben“, meinte sie zu den Widerstandskreisen. Frau Ruge war es, die zum Ende der Debatte eine treffende Charakterisierung der Deutschen beisteuerte: Das Volk erweise sich militärisch als vorbildlich, aber es besitze keine Zivilcourage. Rautenberg bestätigte das Untertanentum der Deutschen, wenn es auch gerade für die Männer und Frauen des Widerstands gerade nicht gilt.

Harald Wittstock, Vorstand des Vereins Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik, bestätigte als in der DDR Aufgewachsener die einseitige Sicht im Osten beider deutschen Republiken: „Bei uns stand der kommunistische Widerstand über allem.“ Allein 2900 deutsche Kommunisten hätten schon im Spanien Francos in internationalen Brigaden gegen den Faschismus gekämpft, ein Widerstand von linker Seite.

Ilona Ziok, Regisseurin und Autorin des im Anschluss gezeigten Films  „Der Junker und der Kommunist“, beklagte die geringe mediale Resonanz auf ihr 2009 entstandenes Werk.  Nur in den dritten Fernsehprogrammen und im Sender Phoenix sei es gezeigt worden. Die New York Times habe ihm hingegen ein Adelsprädikat verliehen: „Der beste Botschafter für die guten Deutschen“.

Im Film dreht sich alles um zwei politisch kompromisslose Männer: Carl-Hans Graf von Hardenberg (1891-1958), der letzte Standesherr auf Neuhardenberg und den Arbeiter Fritz Perlitz (1908-1972). Beide waren Kontrahenten im Landarbeiterstreik.  Im KZ Sachsenhausen wurden der Kommunist und der Mitverschörer des Hitlerattentats vom 20. Juli Freunde. Nach dem Krieg blieben sie in Kontakt, auch wenn sie im jeweils anderen deutschen Staat lebten. Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst sagt über den Film: "Der Film ist ein berührendes Zeitzeugnis und sensibles Kunstwerk."

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