12.02.2016 | Berliner Philharmoniker spielten in der Garnisonkirche

Andreas Kitschke spricht in der Nagelkreuzkapelle über die musikalische Seite der Potsdamer Kirche.

„Wenn wir es jetzt nicht schaffen, schaffen wir es nicht“ appellierte Nagelkreuzpfarrerin Cornelia Radeke-Engst an die Zuhörer in der Kapelle am Standort der Potsdamer Garnisonkirche. Der Wiederaufbau steht tatsächlich vor der Entscheidung 2017 mit den ersten Bauarbeiten an der Kirche beginnen zu müssen, denn die gültige Baugenehmigung läuft 2019 aus.  

Damit die Kirche nicht nur Erinnerung bleibt, stellte Buchautor Andreas Kitschke den „Klangkörper“ der Kirche vor: Glockenspiel, Orgel, Konzerte, - so könnte es wieder werden. Die Garnisonkirche ist eine „bedeutendste“ Musikstätte Potsdams gewesen, so die These des Referenten. Schon das Carillon mit 40 Glocken in der Turmlaterne habe die Stunden der Potsdamer alle siebeneinhalb Minuten klingend eingeteilt. Die preußischen Könige hatten mit dem Glockenguss im eigenen Land allerdings wenig Fortune, sodass man sich doch auf Experten im holländischen Amsterdam verlassen musste, dem Heimatland des klingenden Spiels. 1797 lässt König Friedrich Wilhelm III. das Geläut neu einrichten. Für den automatischen Glockenklang war ein riesiger Walzenmechanismus eingebaut. Zwei Stücke kamen damals hinzu: Das Kirchenlied „Lobet den Herren“ und „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit“. Doch konnte der Glockenist in der Spielkammer im Turm direkt unter den Glocken das Instrument ebenso von Hand spielen. Dabei werden die Glocken über einen Stahlseilmechanismus angeschlagen, den der Spieler an Holzklöppeln des Spieltisches auslöst, also nicht durch eine Klaviatur. Letzter Kantor und Carilleur war bis 1945 Professor Otto August Becker. Er spielte auf einer 1898 gebauten Wagner-Sauer-Orgel. Seine Max-Reger Konzerte sollen legendär gewesen sein. Auch brachte er noch im Zweiten Weltkrieg den jüdischen Musiker  Felix Mendelssohn Bartholdy öffentlich zu Gehör, was ein Beleg für seine politische Anti-Haltung gegen die Nationalsozialisten ist.

Kitschke, der neben seinem Beruf als Diplomingenieur Orgelsachverständiger ist, zeigte Fotos, die Proben von mehreren hundert Chorsängern in der Garnisonkirche zeigen. Geistliche Messen, Requiems oder Passionen bestimmten die Kirchenmusik schon seit dem 19. Jahrhundert. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auch unter Beteiligung der Berliner Philharmoniker. Dem Publikum auf den 2800 Plätzen dürfte das gefallen haben.

Zuletzt ist vom Referenten 2015 erschienen: Andreas Kitschke: Die Garnisonkirche Potsdam. Krone der Stadt und Schauplatz der Geschichte.

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