23.12.2009 | BAUEN: Wiederaufbau beginnt 2011 mit SED-Geld – Zwei Millionen Euro aus Vermögen der DDR-Parteien für die Garnisonkirche

POTSDAM / INNENSTADT – Der Durchbruch für den Wiederaufbau der Garnisonkirche ist geschafft. In absehbarer Frist – noch vor Ende 2011 – soll es den Baustart für das Gotteshaus an der Breiten Straße geben. Das kündigte der Vorsitzende der Fördergesellschaft Garnisonkirche, Johann-Peter Bauer, gestern gegenüber der MAZ an. Grund für die unvermutete Frohbotschaft ist ein

POTSDAM / INNENSTADT – Der Durchbruch für den Wiederaufbau der Garnisonkirche ist geschafft. In absehbarer Frist – noch vor Ende 2011 – soll es den Baustart für das Gotteshaus an der Breiten Straße geben. Das kündigte der Vorsitzende der Fördergesellschaft Garnisonkirche, Johann-Peter Bauer, gestern gegenüber der MAZ an. Grund für die unvermutete Frohbotschaft ist ein Geldsegen in Höhe von zwei Millionen Euro, die das brandenburgische Kulturministerium gestern der Stiftung Garnisonkirche zugesichert hat. Die Mittel stammen aus dem „Vermögen ehemaliger Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR“ (PMO-Vermögen).

Die SED hatte im Zuge der Wende mehrere Millionen an eine Gesellschaft der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) transferiert. Über die in Österreich ansässige DDR-Außenhandelsfirma Novum soll Parteivermögen über die KPÖ beiseite geschafft worden sein. Geschäftsführerin der Novum war die österreichische Kommerzialrätin Rudolfine Steindling, wegen Haarfarbe und KPÖ-Nähe „die rote Fini“ genannt.

Erst nach einem zwölfjährigen Rechtsstreit wurde 2004 geurteilt, dass das Vermögen der Novum in Höhe von über 200 Millionen Euro der Bundesrepublik Deutschland zusteht. Die Mittel aus dem PMO-Vermögen werden von der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderausgaben (BVS) verwaltet und sind laut Vorgabe „für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zwecke in den ostdeutschen Ländern“ einzusetzen.

Im vergangenen April hatte Bauer die Mittelvergabe zugunsten der Kirche bei der Landesregierung angeregt. Da die Zuwendungen aus PMO-Vermögen an zeitliche Vorgaben geknüpft sind, stehen nun alle Zeichen auf Aktivität. Denn: „Bis 31. Dezember 2011 müssen die Gelder verausgabt sein.“ Welcher Teil des Garnisonkirchturms zuerst wiedererstehen soll, ist unterdessen noch nicht klar. „Das können die beiden Seitenflügel sein, aber auch der Mittelbau mit dem Eingang zum Turm“, so Bauer. Nicht zwingend müsse man mit jenem Turmteil beginnen, der auf dem jetzigen Straßenzug stand.

Durch die Bautätigkeit muss auch die Ausstellung Garnisonkirche übersiedeln. Derzeit ist sie in einem ehemaligen Fahrradladen an der Breiten Straße untergebracht. Bauer will die Schau auch künftig in der Nähe des Geschehens wissen. Wünschenswert sei etwa eine Unterbringung in der Feuerwache, die derzeit geräumt wird.

Anfang des Jahres wird die Stadt ihrer Verpflichtung nachkommen und ihren Anteil am Kapital der Kirchenstiftung beisteuern: das Grundstück für den Bau. „Die grundbuchrechtliche Übertragung an die Stiftung steht bevor“, sagte OB-Büroleiter Wolfgang Hadlich gestern. Der Sanierungsträger Potsdam habe dem Versicherungskonzern Arag die Kaufsumme von knapp fünf Millionen Euro gezahlt, so Hadlich.

Bei Potsdams Linken löste die Kirchen-Förderung aus PMO-Mitteln gestern eher verhaltene Freude aus. Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg sagte, er sähe lieber Kultur- und Sportvereine im Geldregen stehen. (Von Ildiko Röd)

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