25.06.2011 | BAU: Spender gesucht – Garnisonkirchen-Stiftung stellt in Berlin Aufbauprojekt vor

POTSDAM / INNENSTADT - Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam und Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) haben eine neue Aktion zur Spendenwerbung für den Wiederaufbau des 1968 gesprengten Gebäudes

POTSDAM / INNENSTADT - Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam und Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) haben eine neue Aktion zur Spendenwerbung für den Wiederaufbau des 1968 gesprengten Gebäudes gestartet. Der Abriss sei ein „Akt der Barbarei“ gewesen, sagte Wolfgang Huber, der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, am Donnerstagabend bei einem Empfang der Stiftung in Berlin. Besonders für die jüngeren Generationen müsse die Garnisonkirche wieder aufgebaut werden.

Während des Empfangs, der unter dem Motto „Hier und jetzt und Stein auf Stein“ im Haus der Brandenburger Landesvertretung stattfand, rief Huber zu Spenden auf. Sponsoren könnten auch einzelne Bauabschnitte oder Geschosse finanzieren, so der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums vor rund 50 geladenen Gästen. Der frühere Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), der an Stelle des kurzfristig verhinderten Platzeck die Begrüßungsrede hielt, warb ebenfalls für das Projekt: „Wenn Wiedergutmachung nötig ist, dann an diesem Platz.“

Die 1732 eingeweihte Garnisonkirche war 1945 bei einem alliierten Luftangriff schwer beschädigt und später auf Weisung der DDR-Führung gesprengt worden. Der Wiederaufbau ist umstritten, weil Kritiker in dem Objekt ein Symbol des preußischen Militarismus sehen. Zudem wurde der Ort 1933 von den Nazis zur Inszenierung der Reichstagseröffnung genutzt.

Die Garnisonkirchenstiftung schätzt die Kosten für das gesamte Projekt auf rund 100 Millionen Euro. Nach den derzeitigen Plänen soll bis zum 500. Jahrestag der Reformation 2017 für etwa 40 Millionen Euro zunächst der Turm des barocken Bauwerks neu errichtet sein. Das Kirchenschiff soll erst später folgen. Bislang sind für das Vorhaben nach Stiftungsangaben rund drei Millionen Euro eingegangen, darunter zwei Millionen Euro Zuwendungen des Landes aus ehemaligem DDR-Parteivermögen. Das fertige Gebäude soll unter anderem als Veranstaltungsort sowie als Gedenkstätte für den NS-Widerstand genutzt werden. Heute um 11 Uhr wird die provisorische Kapelle an der Breiten Straße mit einem Open-Air-Festgottesdienst eingeweiht.

Kritik am Empfang der Stiftung in Berlin haben gestern die Potsdamer Linken geübt. „Müssen wirklich Steuergelder des Landes verwendet werden, damit eine private Stiftung für sich werben kann?“, fragte der Kreisvorsitzende Sascha Krämer. Während in Potsdam die Garnisonkirche wieder aufgebaut werde, „fallen anderswo die Überreste antifaschistischen Gedenkkultur in sich zusammen“, so Krämer. (alp/ MAZ vom 25.06.2011)

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