13.03.2013 | Architekt legt neuen Entwurf vor – Kunsthalle in Potsdam: Hasso Plattner soll für Standort an der Plantage begeistert werden

Entwurf von Bernd Albers für das Tor des Langen Stalls.   POTSDAM – Knalleffekt in der Kunsthallen-Debatte, die schon komplett abgeschlossen schien: Bei einer Diskussion der Bürgerinitiative

Entwurf von Bernd Albers für das Tor des Langen Stalls.

POTSDAM – Knalleffekt in der Kunsthallen-Debatte, die schon komplett abgeschlossen schien: Bei einer Diskussion der Bürgerinitiative „Mitteschön“ am Montag hat der Berliner Architekt Bernd Albers überraschend einen Entwurf für eine Kunsthalle an der Plantage in der historischen Form des Langen Stalls vorgelegt. Bislang ist auf dem Areal zwischen dem Tor des Langen Stalls und dem Brockesschen Palais als Ergebnis eines städtischen Wettbewerbs Wohnungsbau vorgesehen. Das Areal gehört zu Zweidritteln der Pro Potsdam; das restliche Drittel – in Nachbarschaft zur Yorckstraße – wurde an einen Investor verkauft.

Albers hatte 2012 am Wettbewerb mitgemacht. Als einziger Teilnehmer legte er einen spitzgiebligen Entwurf vor, der die historische Form aufgreift; kam damit aber nicht aufs Siegertreppchen. In seinem Kunsthallen-Entwurf orientiert er sich noch viel mehr am Original: „Der Stall ist die ideale Kunsthalle; der Unger-Giebel ist die ideale Adresse; die Garnisonkirche der ideale Nachbar“, argumentierte Albers. 4000 Quadratmeter Museumsfläche könnte der Bau fassen; das tiefe Dach wäre günstig für ein Museum, wo die Exponate gedämpftes Licht brauchen. Das Torgebäude könnte als Eingang genutzt werden. Sollten auf dem Areal Wohnungen gebaut werden, würde die Plantage ihren historischen Charakter verlieren, so Albers: „Das darf kein Vorgarten für Wohnungsbau werden – das muss öffentlicher Raum sein.“ Einhelliges Lob gab es vom Publikum für Albers’ Präsentation. Der übergreifende Wunsch: Man sollte mit dem Standort-Vorschlag erneut bei Mäzen Hasso Plattner vorstellig werden, um ihn zur Rückkehr in die Innenstadt zu bewegen. Plattner möchte bekanntlich nach dem Scheitern des Mercure-Standorts seine DDR-Kunst-Halle auf eigenem Grund am Jungfernsee bauen, hat aber noch keinen Bauantrag gestellt.

Vor diesem Hintergrund machte am Montag Architekt Ludger Brands, der als Gast im Publikum saß, den Anwesenden Mut: „Ich nehme an, dass Plattner in Wartestellung ist und darauf wartet, dass die Stadt ihm das anbietet“, sagte Brands, der einen Sinneswandel einräumte: Am Anfang des „Mitteschön“-Abends sei er noch Anhänger einer kompletten Wohnbebauung an der Plantage gewesen; nun habe ihn Albers’ Variante überzeugt: „Keiner möchte den Wohnungsbau streichen. Wir sehen, dass beides nebeneinander möglich ist“, sagte Brands mit Blick auf Albers’ Vorschlag, das angrenzende Areal der Alten Feuerwache für Wohnungsbau zu nutzen.

Vernichtende Kritik gab es hingegen am Plan der Stadt, an der Plantage ausschließlich Wohnungsbau stattfinden zu lassen. Architekt Christian Wendland sprach von „einem perversen Standort für Wohnungsbau“. Burkhart Franck, Chef der Fördergesellschaft Garnisonkirche, befürchtete verheerende Folgen für das Umfeld: „Für die Garnisonkirche würde es eine ziemliche Abwertung bedeuten, wenn Wäscheständer mit geblümten Unterhosen in der Nachbarschaft zur Schau gestellt werden.“ Steffen Pfrogner (Linke), Mitbegründer einer neuen Arbeitsgemeinschaft zur Stadtentwicklung, plädierte für „öffentliche Nutzung an diesem Standort“. Hagen Wegewitz (SPD), Vorsitzender im Finanzausschuss der Stadt, riet, auf die Stadtverordneten einzuwirken, dass die stadteigene Fläche vorerst nicht verkauft wird. Fazit des emotionalen Abends: Demnächst will man die Fraktionen für den Kunsthallen-Plan gewinnen.

Bei der Verwaltung verwies man gestern auf das positive Votum des Gestaltungsrats für den Wohnriegel an der Plantage: „Daran orientiert sich die Stadt nun“, sagte Stadtsprecher Stefan Schulz. (MAZ vom 13.03.2013, Von Ildiko Röd)

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