07.03.2016 | „Also Gott ist schon hier“

Am vergangenen Wochenende fand in der Nagelkeuzkapelle Potsdam das Psalmensingen mit der jüdischen Kantorin Chasan Jalda Rebling statt.

Die Nagelkreuzgemeinde am Standort der Potsdamer Garnisonkirche hat ein weites Herz. Cornelia Radeke-Engst lässt viele Stimmen zu Wort kommen. Geistige Enge ist nicht ihr Ding, - ob es um Debatten zum Wiederaufbau des Kirchturms, um Flüchtlinge oder die Politik Potsdams geht.

Mit einem Psalmensingen beschenkte die Pfarrerin am Samstagabend gemeinsam mit Jalda Rebling die Schar der Besucher. Die ordinierte Kantorin aus einer Berliner jüdischen Gemeinde griff eine zentrale Glaubensvorstellung auf: Die Schechina (hebr.: שְׁכיִנָה šəxīnāh) zeige die Anwesenheit Gottes auf Erden. Im Talmud werde die Frage gestellt, ob auch bei der Zahl von zehn Gläubigen Gott anwesend sei. „Wir sind mehr als zehn Leute hier, also ist Gott schon da“, erläuterte die Kantorin, die auch Schauspielerin ist, die jüdische Weisheit.

Die Gegenwart Gottes hat auch im Christlichen einen zentralen Platz. Weit verbreitet ist die Vorstellung, Gott sei in der Schöpfung gegenwärtig, trug Radeke-Engst bei. Genauso gelte das für die Trinität Gottes, die Vorstellung seiner Dreifaltigkeit von Gott-Sohn-Heiligem Geist. „Gott ist in Taufe und Sakrament gegenwärtig, selbst im Gebet.“ Gottes Heiligkeit sei ein Geheimnis, aber er sei gerade nicht unberührbar, denn er leide nach christlicher Vorstellung mit und für die Menschen.

Wechselnd sprachen die Besucher einen Psalm und versuchten sich im hebräischen Singen. Frau Rebling, deren Mutter im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet wurde, ließ mit den Psalmversen etwas vom jüdischen Vertrauen in Jahwe aufscheinen. Überzeugender hätte kaum jemand an diesem Abend die Gegenwart Gottes und seinen Frieden erlebbar machen können.

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