29.08.2015 | Jazz-Gottesdienst – Hängematte – Gottesdienst am 29.8.2015

Jazz-Gottesdienst – Hängematte – Gottesdienst am 29.8.2015

 

Musik – Annette Wizisla

 

Dann und wann das Tempo verlangsamen,

anhalten,

in Ruhe wahrnehmen,

was um mich ist, was mich schützt,

bedroht, erfreut,

fordert, fördert,

mich neu einstellen und ausrichten.

 

Dann und wann

das Tempo verlangsamen,

anhalten,

sich hinsetzen und setzen lassen,

was sich in mir bewegt.

Meine Strukturen wahrnehmen,

sehen, was und wie ich bin.

 

Dann und wann

das Tempo verlangsamen,

anhalten,

aus meiner Tiefe Bilder aufsteigen lassen,

dankbar sein und sehen,

was sie mir zeigen wollen,

wohin sie mich weisen.

 

Dann und wann

Im Offenen sein,

Worte hören,

mir sagen lassen,

was ich mir selbst nicht sagen kann,

hören, über meinem Leben steht ein großes JA

spüren, mir ist dieses Leben geschenkt.

Ich darf loslassen, was mich treibt,

ich darf ankommen in der großen Güte Gottes.

 

Begrüßung

Im Namen des lebendigen Gottes....

Herzlich willkommen zum Gottesdienst zu Ferienende und Beginn des neuen Arbeitsjahres.

Dann und wann das Tempo verlangsamen...                                das will ich mitnehmen aus diesem Sommer,                                mit hineinretten in das Arbeitsjahr.

Urlaub im Alltag.

Dann und wann das Tempo verlangsamen aus der Tiefe Worte des Lebens hören,

diese Unterbrechung,

dieser Pausenraum JETZT.

Dieses Aufatmen ist jeden Samstag hier möglich in der Muße-Stunde Gottesdienst.

Hier wartet Gott auf mich mit seinem Blick der Güte.

Das ist wie eine Hängematte für die Seele,

hören, wo nach sie sich sehnt.

 

Lied: Da wohnt ein Sehnen tief in uns

 

Psalm 131 (Psalm murmeln)

Gott, mein Herz ist nicht stolz,

nicht hochmütig blicken meine Augen.

Ich gehe nicht um mit Dingen,

die mir zu wunderbar und zu hoch sind.

Ich ließ meine Seele ruhig werden und still;

Wie ein kleines Kind bei der Mutter

Ist meine Seele still in mir.

 

Musik

 

WortOrt  Micha 4

Am Ende der Tage wird es geschehen:

Der Berg mit dem Haus Gottes

Steht fest gegründet als höchster der Berge;

Er überragt alle Hügel.

Zu ihm strömen die Völker (....)

Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern

Und Winzermesser aus ihren Lanzen.

Man zieht nicht mehr das Schwert,

Volk gegen Volk,

und übt nicht mehr für den Krieg.

Jeder sitzt unter seinem Weinstock

Und unter seinem Feigenbaum und niemand schreckt ihn auf.

 

Gospel: "Swing low, sweet chariot"

 

Kurz-Predigt mit: Lesung: Mk 6, 30-32 (mit einer Idee aus AhzW)

 

Ein Zimmer für sich allein – Virginia Woolf schreibt diesen Essay 1929.

Ein Zimmer für sich allein.

Ein Zimmer für mich allein –

weil ich die Tendenz habe, mich aufzulösen zwischen alldem,

was von mir erwartet wird,

was schon immer mal getan werden müsste,

was ich noch zu tun habe,

was ich noch tun will.

 

 

Ein Zimmer für mich allein:

Einen Zeitraum für mich allein,

am besten morgens, wenn ich noch frisch bin;

am besten abends, wenn ich eh schon keine Kraft mehr habe,

etwas zu tun;

am besten zwischen drin, in der Sitzung, wenn die Stimmen schwirren und mir die Geduld ausgeht.

Einen Zeitraum für mich allein.

 

Ein Zimmer für mich allein:

Ein Zimmer, einen Ort, eine Nische, einen Sessel, ein Stuhl,

ein Meditationskissen,

einen Ort, wo nichts anderes sein muss,

als zu hören, was ich sonst nicht höre;

um zu fragen, was ich sonst nicht frage;

zu lauschen auf die Töne zwischen den Zeilen,

Stille um mich an diesem Ort für mich allein.

 

WortOrt mit Markus 6, 30-32

Jesus sagt:

Geht doch jeder für sich an einen einsamen Ort

und ruht euch dort kurze Zeit aus.

Es waren nämlich viele, die kamen und gingen,

und es blieb keine richtige Zeit, um zu essen.

Und sie fuhren mit dem Schiff an einen einsamen Ort für sich allein.

 

Und eben waren sie noch voller Schwung!

Unterwegs mit Gottes Wort,

unterwegs, Menschen zu fischen,

unterwegs, etwas auf die Beine zu stellen,

die Botschaft weiter zu tragen,

unterwegs, Geld für einen Kirchturm zu sammeln

oder Unterschriften für die Unterstützerlisten.

Begeistert von der Sache.

Berauscht vom eigenen Erfolg.

So kommen sie heim am Abend,

in eine stille Wohnung

oder zu Frau und Kind

oder zu Mann und Hund

oder ins Büro um die Mittagszeit,

zur Dienstberatung mitten am Tag.

Zu Jesus, damals wie heute.

Begeistert, berauscht vom eigenen Erfolg,

noch ein bisschen überdreht,

beginnen sie zu erzählen

über alle Müdigkeit hinweg,

voller Begeisterung.

Darunter lauert die Erschöpfung.

 

Ständig kommen und gehen die Leute!

Beeindruckende Zahlen,

was für ein Erfolg!

Jetzt das Eisen schmieden, solange es noch heiß ist!

Es geht nach vorn.

 

Und dann:

Anapausathe, anapausathe, macht mal Pause, sagt Jesus mitten in diese Begeisterung hinein.

Anapausathe!

Ein langes Au, ein tiefes Ausatmen,

ein Durchatmen zieht es nach sich.

Ausatmen nach all der Anstrengung.

Erst jetzt merke ich meine Erschöpfung.

Die Schultern fallen mir herab.

Ausatmen.

Ich habe heute ja noch gar nicht gegessen.

Pause.

Innehalten.

Ausatmen.

Einfach sitzen,

schauen,

hören,

nachdenken.

Endlich auch essen.

 

Keine große Pause,

kein Wellness- Tag,

oder Urlaub,

keine Kreuzfahrt,

schlägt Jesus vor.

Nur oligon – „ein wenig“

Ein klein wenig,

innehalten,

den Rausch unterbrechen.

Kein rauschendes Fest.

Den Erfolg von seinem Thron holen.

 

„ein wenig“ Pause.

Jede/jeder für sich allein.

An einem einsamen Ort.

 

Kein Hochglanzkatalog kennt ihn.

Er heißt nämlich Öde.

Ja und das ödet mich an.

Schließlich lebe ich nur dieses eine Leben und dann diese Öde hier!

Die Öde, der öde Ort zeigt das andere Gesicht einer Stadt,

von uns selbst.

Vor uns diese Baustelle, ein öder Ort.

 

In der Öde werden die Jüngerinnen und Jünger wieder auf sich selbst verwiesen,

auf sich allein: Wer bin ich außerhalb des Blicks anderer Menschen?

Wer bin ich ohne meine Aufgaben?

Ohne meine Erfolge?

Die Öde – ein Ort der Selbstkonfrontation.

 “A Room of one´s own”, Virginia Woolf,

ein Freiraum.

 

„Neulich bin ich mal wieder in mich gegangen – auch nichts los“-

soll Karl Valentin gesagt haben.

In mir diese Öde?

In mir diese Öde –

wie eine schützende Decke legt sich meine Öde über meine Lebendigkeit,

damit ich mich nicht versprühe im Kommen und Gehen der Menschen,

im Erfolg heischenden Absolvieren von Aufgaben.

Die Öde bewahrt die Lebendigkeit.

Ein klein wenig Zeit braucht sie,

braucht, dass ich ihr Raum gebe,

dann hebt sie sich leicht wie der Nebel unter der Sonne

und es strahlt auf unter der Öde...ein Ort der Freiheit und

dieser anderen Wirklichkeit,

der Ort, an dem sich wie von selbst das Gebet formt

der Dank.

Ein Mensch vor Gott -

in jene andere Wirklichkeit geworfen.

Beten.

Ein Akt des sich Auslieferns,

der Kreativität

und der Freiheit.

“A room of one´s own” im eigenen Herzen.

 

Am rechten Ort, zur rechten Zeit.

Der rechte Zeitpunkt!

Kairos - in der verrinnenden Zeit der rechte Augenblick!

Den rechten Augenblick erkennen:

Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.

Ein Signal, das Jesus mit seinem Wort setzt!

Immer wieder!

Jetzt ist der rechte Zeitpunkt, nicht erst morgen oder übermorgen.

 

Zur rechten Zeit am rechten Ort!

Die geeignete Zeit! Die rechte Zeit,

zum Innehalten, anapausathe!

Ja auch zum Essen!

 

Erst was essen!

Aber orientalisch,

eine üppige Tafel

im Überfluss der Düfte und Farben.

Kein Coffee to go oder die Sushi-Box, das Computerpicknick,

sich nicht am Katzentisch zufrieden geben.

Dankbares Essen.

Essen zum rechten Zeitpunkt

ist ein Akt der Freiheit und ein Akt der Demut.

5000 werden so satt,

erfahren die Jüngerinnen und Jünger durch Jesus im folgenden Text.

 

Nur gestärkte Leute werden Jesus dabei assistieren können.

Nur gestärkte Leute verarbeiten, was sie zuvor erlebt haben,

die Hinrichtung des Täufers Johannes.

Nur gestärkte Leute bauen heute Türme

oder sammeln das Geld dafür.

Nur gestärkte Leute bauen an einem Ort für Frieden und Versöhnung.

 

Ein WortOrt:

Jesus erzählt und fördert die Verzögerung

inmitten von Gefahr und Herausforderung.

Ein Moment des Zögerns:

ich habe eine Wahl,

ich zögere,

ich muss nicht alternativlos handeln,

ohne Zögern,

ohne Feierabend,

ohne Pause,

ohne Ruhe,

ein Leben ohne Freude!

 

Also rauf auf das Schiff an einen einsamen Ort!

Mein Schiff:

Einfach mal zögern,

nicht gleich ja sagen,

loslaufen,

auch mal sparsam begeistert sein,

nicht das ganze Feuer versprühen.

 

Zögern,

Rückzug,

Ruhe,

Essen,

Beten!

 

Ein Schiff

bringt mich an einen einsamen Ort,

für mich allein,

in Stille,

zu mir,

zu dir,

Ewiger.

Amen.

 

Musik

Gebet

Segen

Musik

 

 

 

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