Bauplanung

Modell des Turms der Garnisonkirche, Quelle: SGP

Der wiedererstehende Garnisonkirchenturm wird im äußeren Erscheinungsbild dem zerstörten Gebäude entsprechen und im Inneren den Anforderungen zukunftsorientierter Nutzungen Rechnung tragen. Der durch das renommierte Architektenbüro Hilmer & Sattler und Albrecht vorgelegte Entwurf für den Turm enthält einen zentralen, großzügigen und funktionalen Raum. Er ist als Kapelle und Ort des Gedenkens vorgesehen. Im Oktober 2017 beginnen die Bauarbeiten zum Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam.

Garnisonkirche Potsdam Plan für den Wiederaufbau, Bildquelle: Stiftung Garnisonkirche Potsdam

Die reichhaltig vorhandenen Quellen erlauben eine Rekonstruktion der ursprünglichen Architektur der Garnisonkirche, in historischer Bauweise und mit authentischem Material (Ziegel). So wird ein Hauptwerk des preußischen Barocks, dessen Baumeister Philip Gerlach war, wiedererstehen.
Wie Untersuchungsergebnisse ergaben, sind die Reste der Fundamente nicht mehr tragfähig. Daher wird eine neue Bodenplatte über die Fundamentreste gelegt, so dass die alte Gründung erhalten bleibt. Es wird eine Tiefgründung mit 38 Bohrpfählen von je 37 m Länge angelegt.

Für die Planungen des Innenausbaus sind die späteren Nutzungsabsichten der Räume ausschlaggebend. Die technische und räumliche Ausstattung entspricht den heutigen Anforderungen und Normen. Die Besucher können alle Etagen behindertengerecht mit einem Aufzug erreichen.

Kapelle im Turm der Garnisonkirche, Bildquelle: Arbeitsgemeinschaft Wiederaufbau Garnisonkirche Potsdam, 1. Bauabschnitt (Turm)

Dieser fährt sogar bis zur Aussichtsplattform in 60 Metern Höhe, wo sich ein herrlicher Rundblick über die Stadt bietet. Unter der Turmhaube wird wieder ein Glockenspiel eingebaut, dessen Melodien in ganz Potsdam zu hören sein werden. Die geplanten Kosten für den ersten Bauabschnitt (Turm) belaufen sich auf ca. 38 Millionen Euro. Die Erarbeitung der Bauplanungsunterlagen wurde in den Jahren 2011 bis 2014 aus Mitteln des Landes Brandenburg und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert. Im Oktober 2017 werden die Bauarbeiten für den Turm der Garnisonkirche beginnen.


Nutzungsprogramm

Der Turmbau folgt in der äußeren Form exakt den historisch überlieferten Erkenntnissen. Nach der Entwurfsplanung ist ein Raumprogramm vorgesehen, das der Mehrfachnutzung als Kirche, Erinnerungs- und Bildungsstätte entspricht.

 

Erinnern

Die im Schnitt rötlich gefärbten Räume sollen eine ca. 300 qm große Ausstellung über zentrale historische Themen aufnehmen und damit zur vertieften Beschäftigung mit der Geschichte dieses Ortes anregen.


Lernen

In dem Geschoss unterhalb der Ausstellungsebenen (gelb angelegt) werden u. a. in zwei Seminarräumen der Inhalt der Ausstellung und weitere Themen behandelt. Hierbei wird  ein besonderer Schwerpunkt auf Bildungsarbeit mit jungen Menschen im europäischen Kontext liegen. Die Bildungsarbeit wird durch eine eigene Bibliothek unterstützt.

Leben

Im Turmschaft erschließen der Aufzug und die spiralförmig angeordnete Treppe die Aussichtsplattform (hellbau). Oberhalb der Aussichtsplattform befindet sich das Glockenspiel. Im Erdgeschoss sind neben dem Eingangsbereich mit Kasse und einem Verkaufsbereich (rechts) auch ein auf der gegenüberliegenden Seite angeordnetes Café (blaue Einfärbung) geplant.

Geistliches Leben

In der neuen Kapelle wird die Erinnerung an öffentliches Handeln aus christlicher Verantwortung ihren besonderen Ort haben. Dieser Andachtsraum  (im Schnitt hellgrün dargestellt) wird durch Nebenräume wie eine Sakristei und zwei Arbeitszimmer für die Pfarrer ergänzt.

Gestaltung

Querschnitt der Garnisonkirche

Historische Mitte

Der Potsdamer Dreichkirchenblick, Bildquelle: arte4D | Arstempano Andreas Hummel

Die Garnisonkirche Potsdam bildete zusammen mit der Heiligengeist- und Nikolaikirche den charakteristischen Potsdamer „Dreikirchenblick”. Zahlreiche Sichtachsen der von Peter Joseph Lenné (1789-1866) gestalteten Havellandschaft mit ihren Aussichtspunkten treffen am Standort der Garnisonkirche zusammen.

Die Planung der Stadt Potsdam sieht eine behutsame Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss vor. Stadtschloß, Stadtkanal und Garnisonkirche bildeten das Herz der historischen Innenstadt und damit den Schwerpunkt der Wiederherstellung. Die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, der Verein Potsdamer Stadtschloß e.V., der Förderverein für die Wiederherstellung des Stadtkanals und die Bürgerinitiative „Mitteschön!” haben deshalb eine enge Zusammenarbeit vereinbart und folgende Erklärung abgegeben:


"Erklärung der Potsdamer Innenstadtvereine"

"Wir fordern die Umsetzung der vorliegenden Beschlüsse zur Wiederherstellung der historischen Potsdamer Mitte.

Dazu gehören:

  1. der Wiederaufbau des Stadtschlosses in der historischen äußeren Gestalt,
  2. die Wiederherstellung des Stadtkanals mit fließendem Wasser in voller Länge, in der ursprünglichen Tiefe und mit den historischen Brücken,
  3. der vollständige Wiederaufbau der Garnisonkirche in ihrer historischen Architektur.“


Die Stiftung Garnisonkirche Potsdam und die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche e.V. haben mit großer Freude, die Einweihung des brandenburgischen Landtags mit der barocken Schlossfassade begleitet. Damit ist der erste Schritt der Wiederherstellung der historischen Potsdamer Mitte gelungen!


Weiterführende Informationen

Verein Potsdamer Stadtschloss e.V.

www.stadtschloss-potsdam.org



Bürgerinitiative „Mitteschön!“

www.mitteschoen.de


Geschichte des Wiederaufbaus

Ruine der Garnisonkirche Potsdam

Ruine der Garnisonkirche Potsdam, Bildquelle: Archiv der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche e.V.

Nach dem Bombenangriff 1945 waren von der Garnisonkirche Teile des Kirchenschiffs und der hochaufragende Turmstumpf geblieben. Jedoch zog schon 1950 die Heilig-Kreuz-Gemeinde in eine im Turm hergerichtete Kapelle ein. In den 1960er Jahren begann man mit der Herrichtung der Kirchenruine, Besucher konnten den etwa 60 Meter hohen Turm wieder besteigen. Wie andere Kirchen in der DDR auch wurde die wiederaufbaufähige Garnisonkirche Potsdam 1968 auf Geheiß des Staates gesprengt.

Bereits 1987 ließ die „Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel e.V.” das Glockenspiel wiederherstellen und übergab es am 14. April 1991 an die Stadt Potsdam.  Der Vorsitzender der Traditionsgemeinschaft und der später gegründeten „Stiftung Preußisches Kulturerbe” konnte sich jedoch mit der Evangelischen Kirche und der Stadt nicht über die spätere Nutzung der Garnisonkirche einigen.

2004 wurde die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche e.V. gegründet, die heute über 900 Mitglieder hat. Im gleichen Jahr erscholl der Ruf aus Potsdam, der unter der Schirmherrschaft von Bischof Wolfgang Huber, Ministerpräsident Matthias Platzeck und Innenminister Jörg Schönbohm zum Wiederaufbau der Garnisonkirche aufruft. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, der Kirchenkreis Potsdam, der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein und die Landeshauptstadt Potsdam gründeten 2008 die Stiftung Garnisonkirche Potsdam. Diese ist die Bauherrin und spätere Trägerin der Kirche.

Die Kapelle an der Garnisonkirche wurde 2011 eingeweiht, die darin befindliche Ausstellung zu Garnisonkirche 2012 eröffnet. Die Baugenehmigung für den Wiederaufbau des Garnisonkirchenturms wurde 2013 erteilt, zur Zeit arbeiten Fördergesellschaft und Stiftung an den Bauplanungen, um möglichst bald mit den Baumaßnahmen beginnen zu können.

Im Juni 2017 sagt der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu, die Schirmherrschaft über den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam zu übernehmen.


Weiterführende Informationen

Ruf aus Potsdam

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Satzung der Stiftung

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Logo Wiederaufbau Garnisonkirche Potsdam

Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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