29.03.2018 | Stufenspender erzählen

„Mir liegt der Wiederaufbau vor allem aus historischen Gründen am Herzen“: Menschen, die für eine der 365 Stufen des Turmes der Garnisonkirche spenden, haben dafür gute Gründe. Beim Pressegespräch am Gründonnerstag brachte Wieland Eschenburg einige zur Sprache.

Stufenspender Siegfried Grube, Foto: Peter-Michael Bauers

„Mir liegt der Wiederaufbau vor allem aus historischen Gründen am Herzen“: Menschen, die für eine der 365 Stufen des Turmes der Garnisonkirche spenden, haben dafür gute Gründe. Beim Pressegespräch am Gründonnerstag brachte Wieland Eschenburg einige zur Sprache.

„365 Stufen bis in die Glockenstube, 365 Tage hat das Jahr, das sind in unserem Turm 365 Möglichkeiten, eine Patenschaft mit dem eigenen besonderen Datum zu verbinden.“ eröffnete Wieland Eschenburg die Gesprächsrunde. Durch diese Spendenaktion sind bislang 128 Patenschaften entstanden, das bedeutet ein Spendenvolumen von 460.000 Euro.

„Die Garnisonkirche hat viele Jahrhunderte das Stadtbild geprägt und sollte deshalb wieder aufgebaut werden!“, sagt etwa Detlef Harz, der die teilzerstörte Kirche als Kind noch gesehen und während des Abrisses in Potsdam lebte. Er spendete für eine Stufe mit dem Datum seines Geburtstages – und zwar mit einem großen Teil seines letzten Gehalts, bevor er Rentner wurde.

Erna Moskal will mit den Stufen 22.4. und 23.4. an den Philosophen Immanuel Kant und dessen Heimatstadt Königsberg, in der auch sie als Kind von 1938 bis 1945 lebte, erinnern: Kant wurde am 22. April 1724 geboren. „Er wird auch im heutigen Kaliningrad sehr verehrt – eine wichtige Brücke zwischen Russen und Deutschen“, erklärte die 1932 geborene Rentnerin, die aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich erscheinen konnte, sondern Ihre Beweggründe zuvor schilderte. „1942 habe ich mit meinen Potsdamer Tanten in der Garnisonkirche Weihnachten gefeiert“, erinnert sich Moskal, die für insgesamt sechs Stufen gespendet hat, denn: „Der Wiederaufbau gehört zu Potsdam, es ist eine großartige Architektur – und es gibt keinen anderen Ort, der so gut geeignet ist zur Auseinandersetzung über die Geschichte Deutschlands.“ An den Stufen solle deshalb auch nicht ihr Name zu sehen sein, sondern ein Hinweis auf geschichtliche Ereignisse. „Meine Tanten sind immer in die Garnisonkirche gegangen, weil in ihrer Heimatgemeinde Friedenskirche Hitlers ‚Mein Kampf‘ auf dem Altar lag“, erzählt sie, „in der Garnisonkirche jedoch nicht. Mein Vater wurde 1938 nach Königsberg versetzt, weil er Juden geholfen hat. Er ist knapp am KZ vorbeigeschliddert.“ Nach Kriegsende kam ihre Familie dann nach Potsdam.

Es gibt mannigfaltige Gründe für eine Stufenpatenschaft. Das eigene Hochzeitsdatum, ein besonderes Datum im Kalender der Geschichte, ein Tag im Jahr der individuell eine besondere Bedeutung hat – Geburtstag, Taufdatum, Erinnerung an die Eltern oder Großeltern.

Der Potsdamer Kaufmann und langjährige Unterstützer des Wiederaufbaus Siegfried Grube wiederum sagte: „Die Stufe ist insgesamt von uns ein Beitrag für den Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche“, sagte Grube, der das Gebäude vor der Sprengung 1968 noch gesehen hatte. Er hatte als Leiter Verkaufsförderung im damaligen Konsument Warenhaus (was jetzt Karstadt ist) gearbeitet. „Mit unseren Aktionen bringen wir die Verbundenheit zu den Potsdamern zum Ausdruck“, betonte der Kaufmann. Er wolle sich mit seinem Engagement bei Unterstützern und Kunden bedanken: „Wir sind Potsdamer Händler und möchten den Potsdamern etwas wiedergeben.“

 

 

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