29.10.2017 | "Eine Kultur des Friedens bauen"

Wolfgang Huber, SGP-Kuratoriumsvorsitzender, predigt zum Baustart.

Heiße Suppe nach dem Sturm

Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst mit Kuratoriumsmitglied Dr. Irmgard Schwaetzer am Altar

Matthias Platzeck unter den Gästen

Gemeinde auf dem Baufeld zum Gottesdienst

Peter Leinemann, SGP-Verwaltungsvorstand, mit Gästen

Sprechprobe mit OKR Martin Vogel

Blick vom Altar in die Gemeinde auf dem Baufeld (Foto: Monika Schulz-Fieguth)

OB Jann Jakobs im Getümmel (Foto: SGP)

Banner "Eine Kultur des Friedens bauen" (Foto: SGP)

Wolfgang Huber auf dem Baufeld (Foto:SGP)

Mit einem Gottesdienst feierten am 29. Oktober 2017 Freunde, Unterstützerinnen und Sponsoren den Baubeginn zum Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam.

Gemeinsam mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern, Spenderinnen und Spendern, Sponsoren und interessierten Gästen durften wir heute den Gottesdienst zum Baustart unter dem Motto „Eine Kultur des Friedens bauen“. Es predigte Prof. Dr. Wolfgang Huber, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Garnisonkirche Potsdam am jüngst in Dienst genommenen Treffpunkt Nagelkreuz auf der Baufläche an der Breiten Straße 7. Das Thema der Predigt „Richte unsere Schritte auf den Weg des Friedens“ ist dem 1. Kapitel des Lukas-Evangeliums entnommen.

„Dort, wo noch bis 1968 große Teile des Turms der Garnisonkirche von Krieg und Zerstörung zeugten und die Gemeinde das Gebäude wieder mit Leben füllte, beginnen wir neu“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Huber, Vorsitzender des Kuratoriums zum Baubeginn. „Dort, wo der Turm aus ideologischen Gründen gesprengt und die begonnene Versöhnungsarbeit unterbrochen wurde, soll erneut ein Ort des Einsatzes für den Frieden entstehen. Wir wollen uns der Verantwortung stellen, die sich aus geschichtlichem Versagen und Unheil ergibt. Wir wollen Menschen miteinander verbinden, die zur Verantwortung für die Zukunft bereit sind.“ Mit einem Vers aus dem Lukasevangelium nannte er als biblische Bitte den Leitgedanken für den Baubeginn: „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“

Auf der seit dem Stadtverordnetenbeschluss 1990 freigehaltenen Fläche entsteht der rund 90 Meter hohe Turm, dessen Äußeres sich am barocken Vorbild von 1735 orientiert. Im Inneren ist auf 1200 Quadratmetern Nutzfläche Friedens-, Bildungs- und Versöhnungsarbeit vorgesehen. Eine auch für Rollstühle zugängliche Aussichtsplattform in 57 Metern Höhe wird die touristischen Attraktionen Potsdams bereichern.
Zunächst jedoch geht es in die Tiefe: 38 Pfähle werden 38 Meter tief in die Erde versenkt, um dem Hochbau Halt zu geben. Ab Mai 2018 wird der Turm dann Stein auf Stein sichtbar in die Höhe wachsen. „Der fertige Turm wird mit rund 2,5 Millionen Ziegelsteinen m.W. das höchste seit 200 Jahren in Europa errichtete Ziegelbauwerk sein“, erklärte Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Stiftung.

„Ich freue mich, dass die Vision nun Wirklichkeit wird, die von nicht wenigen für phantastisch erklärt wurde“, sagte Prof. Dr. Matthias Dombert, Vorsitzender der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam (FWG). „Nun werden wir die drei Leitgedanken der neuen Garnisonkirche noch sichtbarer machen können: Geschichte erinnern, Verantwortung lernen und Versöhnung leben. Die Verantwortung ist groß – wir nehmen sie an. Die großzügigen Spenden aus der gesamten Bundesrepublik zeigen das wachsende Interesse und Wohlwollen an unserem Projekt. Wir sind dafür sehr dankbar.“

Cornelia Radeke-Engst, Pfarrerin der Nagelkreuzgemeinde Garnisonkirche Potsdam, ist froh, „dass wir bald für unsere Arbeit mehr Raum haben werden. Wir leben und arbeiten an diesem Ort nach den Leitsätzen der Versöhnungsarbeit aus Coventry. Das heißt, wir setzen uns mit der ambivalenten Geschichte von Kirche an diesem Ort auseinander. Wir laden Menschen aller Konfessionen, Religionen und religionslose Menschen zu uns ein, Geschichte aufzuarbeiten, aber auch in diesem offenen Raum gemeinsam für den Frieden zu beten und so Versöhnung zu leben.“

Begleitet wurde der Gottesdienst, an dem über 700 Gäste teilnahmen, von Protestaktionen. Stiftung, Nagelkreuzgemeinde und Fördergesellschaft hatten die Kritikerinnen und Kritiker des Vorhabens zur Teilnahme am Gottesdienst eingeladen und stillen Protest, auch mit Plakaten zugelassen. Der Missbrauch dieser dialogoffenen Versöhnungsgeste, indem Trillerpfeifen und Megaphon gegen Gebet und Predigt anlärmten, indem Stecker von Übertragungsboxen gezogen und ein Techniker geschlagen wurde, zeugt davon, dass die Schar der Kritisierenden gespalten ist. Während einige wenige sich darin gefielen, die Pfarrerin als "Nazi-Schlampe" zu beschimpfen und so ihre eigene Kritik diskreditierten, waren mit anderen Protestierenden  im Anschluss bei heißer Suppe, Glühwein und  Bier gute Gespräche möglich. Mögen letztere der Ansatz zum Dialog sein.

Nach dem Gottesdienst gab es mit Hilfe großzügiger Sponsoren bei einer zünftigen Feier mit Livemusik, Bier, Glühwein und heißem Eintopf Gelegenheit zu Austausch und Geselligkeit. „Es war ein langer Weg bis hierhin, ein hartes Stück Arbeit, nicht zuletzt Überzeugungsarbeit“, erinnert sich Peter Leinemann, Verwaltungsvorstand der Stiftung, zum Baustart. „Es ist der Kreativität, Großzügigkeit, Beharrlichkeit und Zuversicht vieler zu verdanken, dass wir heute mit den Bauarbeiten beginnen können.“ Radeke-Engst betont: „Bei uns sind Jung und Alt, woher auch immer sie kommen und woran sie glauben mögen, willkommen, mit uns zu lernen, zu diskutieren – und zu beten.“

Fotos, wenn nicht anders angegeben: Gerhard Alwin

Wir danken den vielen Freiwilligen, den Sponsoren des Festes: REWE-Markt Siegfried Grube oHG, Struik Foods Deutschland GmbH, Braumanufaktur Potsdam, Adam Müller Weingut und Manitours Eventagentur Potsdam.

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